Goldpreis auf Rekordjagd: Deutsche Bank sieht 2026 neues Hoch
Der Goldpreis hat sich in drei Jahren mehr als verdoppelt. Zinssenkungen der Fed, geopolitische Spannungen und eine starke Nachfrage aus China treiben das Edelmetall immer weiter nach oben. Die Deutsche Bank hebt deshalb ihr Kursziel für 2026 deutlich an.
Der Goldpreis kennt derzeit nur eine Richtung
Seit Monaten eilt das Edelmetall von Rekord zu Rekord, getrieben von Zinssenkungen der US-Notenbank, geopolitischen Unsicherheiten und einer wachsenden Nachfrage aus Schwellenländern. Nach Ansicht der Deutschen Bank ist das Ende dieser Rallye noch nicht erreicht. Die Analysten rund um Michael Hsueh hoben ihre Prognose für den Goldpreis im Jahr 2026 von bislang 3.700 auf 4.000 US-Dollar pro Feinunze an. Damit sehen sie noch weiteres Potenzial, auch wenn es durchaus Gegenkräfte gibt, die den Höhenflug bremsen könnten.
US-Geldpolitik und globale Krisen als Preistreiber
Ein zentraler Motor für die Goldhausse ist die amerikanische Geldpolitik. Seit die US-Notenbank im September mit einer Zinslockerungsrunde begonnen hat, steigt der Goldpreis auf immer neue Hochs. Der Leitzins wurde um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 4,00 bis 4,25 Prozent gesenkt, weitere Schritte könnten folgen. Damit sinken die Opportunitätskosten für Gold, das selbst keine Zinsen abwirft. Anleger ziehen Kapital aus Anleihen und anderen verzinslichen Papieren ab, weil deren Attraktivität im Vergleich zum Edelmetall abnimmt. Zudem schwächt eine lockere Geldpolitik den US-Dollar, was Gold für Käufer außerhalb der USA günstiger macht. Hinzu kommt eine politisch aufgeheizte Lage: Die Kriege in der Ukraine und in Gaza, der schärfer werdende Handelskonflikt mit China sowie eine aggressive Zollpolitik der US-Regierung verstärken die Unsicherheit. In solchen Phasen suchen Investoren sichere Häfen, und Gold erfüllt diese Rolle seit Jahrhunderten. Dass der Preis in den vergangenen drei Jahren auf aktuell 3.868,48 US-Dollar pro Feinunze mehr als verdoppelt hat, überrascht daher kaum.
Starke Nachfrage aus China und Schwellenländern
Neben den geldpolitischen Faktoren spielt die reale Nachfrage nach physischem Gold eine große Rolle. Analysten weisen darauf hin, dass die offizielle Goldnachfrage derzeit etwa doppelt so hoch liegt wie im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2021. Besonders China treibt diesen Trend. Die Volksrepublik stockt ihre Goldreserven massiv auf, um unabhängiger vom US-Dollar zu werden. Das hat auch geopolitische Gründe: Viele Schwellenländer haben beobachtet, wie die westlichen Demokratien auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit harten Sanktionen reagierten. Um sich künftig besser gegen solche Maßnahmen zu wappnen, setzen sie verstärkt auf Gold als wertbeständige Reserve. Im zweiten Quartal 2025 stieg die weltweite Goldnachfrage, einschließlich außerbörslichem Handel, auf 1.248,8 Tonnen – ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für die Deutsche Bank ist dies ein klares Signal, dass die Nachfrage nach dem Edelmetall strukturell hoch bleibt. Auch Zentralbanken anderer Länder wie Indien, die Türkei oder Brasilien verfolgen ähnliche Strategien wie China und bauen ihre Goldbestände kontinuierlich aus.
Unsicherheit um die Federal Reserve und politische Einflussnahme
Ein weiterer Treiber für den Goldpreis ist die Unsicherheit rund um die US-Notenbank. Eigentlich gilt die Fed als unabhängige Institution, doch zuletzt wurde sie von Präsident Donald Trump scharf attackiert. Trump warf Fed-Chef Jerome Powell vor, die Zinsen nicht schnell genug zu senken, um die Wirtschaft stärker anzukurbeln. Diese verbalen Angriffe sorgen für Unruhe am Markt, da Anleger eine zu große politische Einflussnahme auf die Zentralbank befürchten. Die Analysten der Deutschen Bank betonen, dass Änderungen in der Zusammensetzung des Offenmarktausschusses zusätzlich für Unsicherheit sorgen. Je weniger berechenbar die Geldpolitik wirkt, desto stärker suchen Investoren Sicherheit – und finden sie im Gold. Dennoch gibt es auch Gegenargumente. Sollte die Fed 2026 doch vorsichtiger agieren und Zinssenkungen begrenzen, könnte dies die Goldrallye dämpfen. Powell selbst hat zuletzt betont, dass es keinen risikofreien Kurs gebe: Zu lockere Politik könnte die Inflation wieder anheizen, zu straffe Maßnahmen hingegen den Arbeitsmarkt schwächen.
Mögliche Gegenkräfte für den Goldpreis
Trotz aller positiven Faktoren sehen Experten durchaus Risiken für den weiteren Verlauf. Starke Renditen an den Aktienmärkten könnten Anleger von Gold abziehen, wenn sie Alternativen mit höherer Rendite suchen. Auch eine klare Linie in der US-Handelspolitik unter Trump könnte Unsicherheiten verringern und damit die Flucht in den sicheren Hafen Gold schwächen. Darüber hinaus bleibt die Inflationsentwicklung ein entscheidender Faktor. Sollte die Teuerung nachhaltig sinken, verliert Gold als Inflationsschutz an Attraktivität. Auch geopolitische Entwicklungen können in beide Richtungen wirken: Eine Entspannung in den globalen Krisenregionen würde den Druck auf Investoren nehmen, während eine Eskalation das Gegenteil bewirken könnte.
Fazit: Gold bleibt ein Spielball zwischen Sicherheit und Risiko
Der Goldpreis hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wie stark er von einer Kombination aus Geldpolitik, geopolitischer Unsicherheit und realer Nachfrage profitieren kann. Mit einer Prognose von 4.000 US-Dollar pro Feinunze für 2026 ist die Deutsche Bank optimistisch, dass die Rekordjagd weitergeht. Doch Anleger sollten die Risiken nicht aus den Augen verlieren: Eine überraschend straffe Fed, starke Aktienmärkte oder politische Entspannung könnten den Aufwärtstrend abbremsen. Klar ist jedoch: Gold bleibt für viele Investoren ein unverzichtbarer Bestandteil im Portfolio – als Schutzschild gegen Krisen, Inflation und politische Unwägbarkeiten.
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