Lufthansa Aktie: TAP Zuschlag trifft auf teures Kerosin, jetzt zählt der Ausblick
Gleichzeitig belasten hohe Kerosinpreise und geopolitische Risiken die Branche. Die Lufthansa Aktie schloss am 14. Oktober auf Xetra bei 7,05 Euro und verlor damit gut zwei Prozent. Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob die strategischen Chancen durch TAP die steigenden Kosten und Ergebnisrisiken ausgleichen können.
Lufthansa gewinnt das Bieterrennen um TAP
Der Zuschlag für TAP ist strategisch bedeutend. Lufthansa soll zunächst 44,9 Prozent übernehmen. Weitere bis zu fünf Prozent kommen hinzu, sofern TAP Mitarbeiter ihr Erwerbsrecht nicht vollständig nutzen. Besonders attraktiv ist das starke Streckennetz zwischen Lissabon, Brasilien, Afrika und Nordamerika.
Lufthansa plant gleichzeitig eine deutliche Expansion. Die TAP Flotte soll von aktuell rund 101 Flugzeugen auf 117 Maschinen bis 2035 und später auf bis zu 130 Flugzeuge wachsen. Die Transaktion ist allerdings noch nicht mit einem vollständig abgeschlossenen Beteiligungserwerb gleichzusetzen. Lufthansa wurde zunächst als bevorzugter strategischer Partner ausgewählt.
Kerosin wird zum größten kurzfristigen Risiko
Während TAP neue Wachstumsmöglichkeiten eröffnet, verschärft sich auf der Kostenseite die Lage. JPMorgan zufolge sind die europäischen Kerosinpreise seit Anfang Juli um mehr als 65 Prozent gestiegen. Die Bank senkte deshalb das Kursziel für die Lufthansa Aktie von 7,50 auf 7,00 Euro und bestätigte ihre neutrale Einschätzung.
Auch am Heimatdrehkreuz Frankfurt ist Treibstoff aktuell ein Thema. Wegen eingeschränkter Pipeline Kapazitäten und einer turnusmäßigen Wartung lässt Lufthansa ausgewählte Flugzeuge zusätzlichen Kraftstoff für den Rückflug nach Frankfurt aufnehmen. Flugstreichungen aufgrund dieser Versorgungslage sind derzeit nicht geplant.
Lufthansa verfolgt mit ITA Airways und nun TAP eine klare Konsolidierungsstrategie in Europa. Größere Netzwerke, zusätzliche Drehkreuze und eine stärkere Position auf wichtigen Langstrecken können langfristig erhebliche Vorteile bringen.
Kurzfristig entscheidet aber vor allem die Kostenentwicklung. Bleiben Kerosinpreise und geopolitische Risiken hoch, müssen starke Nachfrage und höhere Ticketpreise einen immer größeren Teil dieser Belastungen auffangen.
Starke Nachfrage kann höhere Kosten nur teilweise auffangen
Das zweite Quartal zeigte bereits, wie stark die Treibstoffkosten auf die Ergebnisse wirken. Der Konzernumsatz stieg um acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro, gleichzeitig fiel das Adjusted EBIT von 870 auf 383 Millionen Euro. Allein die höheren Treibstoffkosten belasteten Lufthansa gegenüber dem Vorjahr mit rund 750 Millionen Euro.
Positiv bleiben die Nachfrage und die Preisentwicklung. Die Auslastung der Netzwerk Airlines stieg auf 81,6 Prozent, die Stückerlöse verbesserten sich um 6,4 Prozent. Für 2026 erwartet Lufthansa weiterhin ein Adjusted EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro sowie einen Adjusted Free Cashflow von rund 0,9 Milliarden Euro.
Die Aktie steht zwischen Expansion und Ergebnisrisiko
Der TAP Einstieg erweitert das europäische Netzwerk erheblich und verschafft Lufthansa zusätzlichen Zugang zum wichtigen Südatlantikgeschäft. Gleichzeitig steigt mit weiteren Beteiligungen auch die Komplexität des Konzerns. Nach SWISS, Austrian Airlines, Brussels Airlines und ITA Airways muss Lufthansa nun zeigen, dass sich auch TAP langfristig profitabel in die Gruppe einbinden lässt.
Für die Aktie bleibt das Verhältnis zwischen Wachstum und Kapitalbedarf entscheidend. Zusätzlich belasten hohe Treibstoffpreise, Streiks und geopolitische Flugausfälle. Lufthansa hat zuletzt unter anderem Verbindungen nach Riad wegen der Sicherheitslage im Nahen Osten ausgesetzt.
3. November wird zum nächsten wichtigen Termin
Am 3. November veröffentlicht Lufthansa die Ergebnisse für die ersten neun Monate 2026. Anleger dürften vor allem auf die Entwicklung der Treibstoffkosten, Ticketpreise und Buchungsnachfrage sowie auf eine mögliche Anpassung der Jahresprognose achten.
Besonders interessant wird der Blick auf 2027. Sollte Kerosin dauerhaft teuer bleiben, könnte der Kostendruck auch im kommenden Jahr hoch bleiben. Gleichzeitig bietet der TAP Zuschlag strategisches Wachstumspotenzial. Für die Lufthansa Aktie entscheidet sich damit zunehmend, ob Expansion und operative Verbesserungen schneller vorankommen als die Belastungen auf der Kostenseite.
Lufthansa Aktie: Die wichtigsten Fakten
- Portugal hat Lufthansa als strategischen Partner für TAP ausgewählt.
- Lufthansa kann bis zu 49,9 Prozent an TAP übernehmen.
- Der Gesamtwert der ersten Transaktionsphase beträgt rund 1,2 Milliarden Euro.
- Die TAP Flotte soll bis 2035 auf 117 Flugzeuge wachsen.
- Die Lufthansa Aktie schloss am 14. Oktober bei 7,05 Euro.
- JPMorgan senkte das Kursziel auf 7,00 Euro und bleibt bei Neutral.
- Europäische Kerosinpreise sind laut JPMorgan seit Anfang Juli um mehr als 65 Prozent gestiegen.
- Der Q2 Umsatz stieg um acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro.
- Das Adjusted EBIT sank im zweiten Quartal auf 383 Millionen Euro.
- Für 2026 erwartet Lufthansa 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro Adjusted EBIT.
- Der Adjusted Free Cashflow soll rund 0,9 Milliarden Euro erreichen.
- Die nächsten Quartalszahlen erscheinen am 3. November 2026.
FAQ zur Lufthansa Aktie
Hat Lufthansa TAP übernommen?
Noch nicht vollständig. Die portugiesische Regierung hat Lufthansa als strategischen Partner ausgewählt. Lufthansa soll zunächst 44,9 Prozent erwerben und kann abhängig vom Mitarbeiteranteil auf bis zu 49,9 Prozent kommen.
Wie viel zahlt Lufthansa für TAP?
Für bis zu 49,9 Prozent an TAP ist ein Gesamtwert von rund 1,201 Milliarden Euro vorgesehen.
Warum steht die Lufthansa Aktie aktuell unter Druck?
Vor allem hohe Kerosinpreise belasten die Stimmung. Zusätzlich sorgen geopolitische Risiken und mögliche Ergebnisbelastungen im Jahr 2027 für Unsicherheit.
Wie waren die letzten Lufthansa Zahlen?
Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Das Adjusted EBIT sank jedoch auf 383 Millionen Euro.
Wie lautet die Lufthansa Prognose für 2026?
Der Konzern erwartet ein Adjusted EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro sowie einen Adjusted Free Cashflow von rund 0,9 Milliarden Euro.
Welche Chancen bietet TAP für Lufthansa?
TAP stärkt vor allem die Position auf Strecken nach Brasilien, Lateinamerika, Afrika und Nordamerika. Lissabon könnte zu einem zusätzlichen strategischen Drehkreuz der Lufthansa Group werden.
Welche Risiken bestehen für die Lufthansa Aktie?
Zu den wichtigsten Risiken zählen hohe Treibstoffkosten, geopolitische Konflikte, Streiks, schwächere Nachfrage und mögliche Integrationskosten durch weitere Beteiligungen.
Hinweis und Haftungsausschluss
Dieser Artikel dient ausschließlich zur allgemeinen Information und ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Anlagen und Aktien. Infos Unter übernimmt keinerlei Haftung für daraus entstehende Ansprüche.