Chinas Elektroboom hält an und verschiebt Kräfteverhältnisse im Automarkt
Die Perspektiven für den chinesischen Markt für sogenannte New Energy Vehicles bleiben auch im Jahr 2026 grundsätzlich positiv. Davon geht der chinesische Automobilverband China Association of Automobile Manufacturers aus. Zwar dürfte sich das Wachstumstempo im Vergleich zu den Vorjahren spürbar verlangsamen, dennoch bleibt der Markt auf Expansionskurs. Für die Aktie von BYD ist diese Einschätzung ein wichtiger Impuls, denn der Konzern gilt als klarer Marktführer im heimischen NEV Segment.
Nach einer von CnEVPost aufgegriffenen Prognose der CAAM soll der Absatz von NEVs in China im laufenden Jahr auf rund 19 Millionen Fahrzeuge steigen. Das entspräche einem Zuwachs von etwa 15 Prozent gegenüber 2025. Zu dieser Fahrzeugkategorie zählen batterieelektrische Autos, Plug in Hybride sowie Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb. Auch wenn das Wachstum damit deutlich geringer ausfallen dürfte als in den Jahren zuvor, signalisiert die Prognose weiterhin eine robuste Nachfrage.
Ein Blick auf das vergangene Jahr verdeutlicht, wie stark sich der Markt bereits entwickelt hat. Im Jahr 2025 erreichte der NEV Absatz in China mit 16,49 Millionen verkauften Einheiten einen historischen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies ein Wachstum von mehr als 28 Prozent. Bemerkenswert ist dabei vor allem der Marktanteil. NEVs machten fast 48 Prozent aller Fahrzeugverkäufe in China aus. Für 2026 erwartet der Verband nun den nächsten symbolischen Schritt. Erstmals sollen mehr als die Hälfte aller verkauften Pkw in China auf NEVs entfallen. Der Anteil wird auf rund 54,7 Prozent geschätzt, bei einem Gesamtmarkt von knapp 34,75 Millionen Fahrzeugen.
Neben dem Binnenmarkt spielte zuletzt auch der Export eine immer größere Rolle. Laut CAAM wurden im Jahr 2025 mehr als 2,6 Millionen NEV Fahrzeuge aus China ins Ausland geliefert. Damit haben sich die Ausfuhren im Vergleich zu 2024 nahezu verdoppelt. Chinesische Hersteller gewinnen damit international an Bedeutung, insbesondere in Märkten mit wachsender Nachfrage nach bezahlbaren Elektrofahrzeugen. Dieser Trend stützt die Branche, auch wenn das Umfeld außerhalb Chinas schwieriger wird.
Gleichzeitig dämpft der Automobilverband die Erwartungen. Die Inlandsnachfrage dürfte sich schwächer entwickeln als in den Boomjahren zuvor. Der anhaltende wirtschaftliche Druck in China sowie gedämpfte Einkommenserwartungen bremsen die Kauflaune vieler Verbraucher. Auch auf der Exportseite rechnet die CAAM mit zunehmenden Herausforderungen. Geopolitische Spannungen, konjunkturelle Unsicherheiten und verschärfte Handelskonflikte könnten das Wachstum der Ausfuhren belasten.
Für BYD bedeutet diese Entwicklung ein Spannungsfeld aus Chancen und neuen Herausforderungen. Der Konzern hält laut Daten der China Passenger Car Association zuletzt einen Marktanteil von rund 23 Prozent am chinesischen NEV Markt. Damit liegt BYD deutlich vor dem zweitplatzierten Hersteller Geely, der auf etwa 13 Prozent kommt. In den vergangenen Jahren hat BYD seine Position kontinuierlich ausgebaut und sich zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektrofahrzeugen entwickelt.
Ein zentraler Hebel dürfte dabei die internationale Expansion bleiben. BYD investiert bereits seit geraumer Zeit in neue Produktionsstandorte und Vertriebsnetze außerhalb Chinas. Regionen wie Europa, Südostasien und Lateinamerika gewinnen an Bedeutung, um zusätzliche Wachstumstreiber zu erschließen und die Abhängigkeit vom Heimatmarkt zu verringern. Gerade in Europa trifft BYD jedoch auf einen zunehmend wettbewerbsintensiven Markt und auf politische Diskussionen rund um Importzölle und Industriepolitik.
Das nun erwartete moderatere Wachstum dürfte für BYD weiterhin steigende Verkaufszahlen bedeuten, allerdings ohne die extremen Zuwachsraten der Vergangenheit. Für den Konzern rückt damit die Frage der Profitabilität stärker in den Fokus. Weniger dynamisches Marktwachstum kann den Preisdruck erhöhen, gleichzeitig aber auch Raum für stabilere Margen schaffen, wenn es gelingt, Kosten zu kontrollieren und Produktionsprozesse effizienter zu gestalten.
Die Prognose der CAAM zeigt insgesamt, dass der chinesische Elektromobilitätsmarkt nicht an sein Ende gelangt ist, sondern in eine neue Phase eintritt. Nach Jahren sehr hohen Wachstums verlagert sich der Fokus stärker auf Qualität, Marktanteile und Effizienz. Für etablierte Anbieter wie BYD ist dies eine Chance, ihre Führungsposition zu festigen. Gleichzeitig steigt der Druck, sich gegenüber Wettbewerbern zu behaupten, die ebenfalls aggressiv investieren und ihre Modelle international ausrollen.
An der Börse wurde die Einschätzung des Verbands positiv aufgenommen. Die BYD Aktie legte im Handel in Hongkong spürbar zu und zeigte damit, dass Investoren dem Unternehmen auch in einem Umfeld moderateren Wachstums Vertrauen schenken. Seit Jahresbeginn weist das Papier bereits ein solides Plus auf. Marktteilnehmer sehen BYD weiterhin als einen der Hauptprofiteure des langfristigen Trends zur Elektromobilität.
Unterm Strich signalisiert die Prognose Stabilität mit klaren Dämpfern. Der NEV Markt in China wächst weiter, aber mit geringerer Geschwindigkeit. Für BYD bedeutet das kein Ende des Erfolgs, sondern einen Übergang in eine reifere Marktphase. Entscheidend wird sein, wie gut es dem Konzern gelingt, Effizienz zu steigern, neue Märkte zu erschließen und sich im zunehmenden Wettbewerb zu behaupten. Die aktuelle Reaktion der Aktie zeigt, dass Anleger dem Unternehmen diesen Schritt grundsätzlich zutrauen.
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