Intel enttäuscht trotz solider Quartalswerte mit schwachem Ausblick
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23.01.2026

Intel enttäuscht trotz solider Quartalswerte mit schwachem Ausblick

Die jüngsten Quartalszahlen von Intel haben an der Börse für einen deutlichen Dämpfer gesorgt. Obwohl der Halbleiterkonzern im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025 sowohl beim Ergebnis je Aktie als auch beim Umsatz besser abschnitt als von vielen Marktteilnehmern erwartet, reagierten Anleger ausgesprochen nervös. Ausschlaggebend dafür war weniger der Blick zurück als vielmehr die verhaltene Prognose für das laufende Quartal, die an der Wall Street für Enttäuschung sorgte.

Im Schlussquartal des vergangenen Geschäftsjahres konnte Intel den Gewinn auf Non-GAAP-Basis leicht steigern. Das Ergebnis je Aktie lag bei 0,17 US-Dollar und damit über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Auch die Analystenschätzungen wurden klar übertroffen, denn diese hatten im Vorfeld lediglich mit einem deutlich niedrigeren Gewinn gerechnet. Auf den ersten Blick lieferte Intel damit ein positives Signal, insbesondere vor dem Hintergrund der tiefgreifenden Umstrukturierungen, die der Konzern seit geraumer Zeit durchläuft.

Auch auf der Umsatzseite fiel das Bild weniger negativ aus, als es zunächst schien. Zwar lagen die Erlöse unter dem Niveau des Vorjahresquartals, dennoch übertraf Intel die Markterwartungen. Damit zeigte sich, dass das operative Geschäft stabiler läuft als viele Kritiker befürchtet hatten. In einem Umfeld, das von intensivem Wettbewerb, hohen Investitionen und strukturellen Veränderungen geprägt ist, kann dies durchaus als Achtungserfolg gewertet werden.

Auf Jahressicht konnte Intel ebenfalls Fortschritte vorweisen. Nach einem Verlust im Vorjahr gelang 2025 wieder ein positiver Gewinn je Aktie. Auch hier wurden die Prognosen der Analysten übertroffen. Der Jahresumsatz blieb zwar leicht hinter dem Vorjahreswert zurück, bewegte sich aber im Rahmen der Markterwartungen. Insgesamt zeichnen die Zahlen das Bild eines Unternehmens, das sich operativ langsam stabilisiert, ohne jedoch bereits wieder in eine Phase dynamischen Wachstums einzutreten.

Warum also die heftige Kursreaktion? Der Blick der Investoren richtete sich unmittelbar nach der Veröffentlichung der Zahlen auf den Ausblick für das kommende Quartal. Und genau hier setzte die Enttäuschung ein. Intel stellte eine Umsatzspanne in Aussicht, die unter den Erwartungen der Wall Street lag. Für viele Marktteilnehmer war dies ein klares Signal, dass die Erholung des Geschäfts nicht so schnell voranschreitet wie erhofft. In der Folge sackte die Aktie im nachbörslichen Handel deutlich ab.

Das Management begründete den vorsichtigen Ausblick unter anderem mit Engpässen in der Lieferkette. Finanzchef David Zinsner verwies darauf, dass der Hochlauf der neuen Chipgeneration mehr Zeit in Anspruch nehme als ursprünglich angenommen. Insbesondere die Produktionskapazitäten müssten erst schrittweise ausgeweitet werden, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. In dieser Übergangsphase priorisiert Intel vor allem den Bereich Rechenzentren, da dort die Margen höher sind und die Nachfrage als besonders robust gilt.

Gleichzeitig belasten externe Faktoren das Geschäft. Der enorme Bedarf an Speicherchips für KI-Rechenzentren führt branchenweit zu Knappheiten, die auch Intel zu spüren bekommt. Weniger verfügbare Speicherbausteine bedeuten, dass PC-Hersteller ihre Produktionszahlen nicht wie geplant ausweiten können. Dies wirkt sich indirekt auf die Nachfrage nach Intel-Prozessoren aus und bremst das klassische PC-Geschäft zusätzlich.

Hinzu kommt, dass Intel sich weiterhin mitten in einem tiefgreifenden Umbau befindet. Unter dem seit rund einem Jahr amtierenden Vorstandschef Lip-Bu Tan verfolgt der Konzern einen klaren Sanierungskurs. Kostensenkungen, Priorisierung profitabler Segmente und der Rückzug aus besonders kapitalintensiven Projekten gehören zu den zentralen Maßnahmen. Ein sichtbares Zeichen dafür war der Verzicht auf den geplanten Fabrikbau in Magdeburg, der ursprünglich Teil der europäischen Expansionsstrategie war.

Parallel dazu hat sich auch das Verhältnis zwischen Intel und dem US-Staat verändert. Nach politischem Druck erhielt die US-Regierung im vergangenen Jahr einen bedeutenden Anteil am Unternehmen als Gegenleistung für zuvor zugesagte Subventionen. Dieser Schritt sorgte zeitweise für Rückenwind an der Börse, denn viele Investoren setzten auf politische Unterstützung und langfristige Stabilität. Seitdem hatte sich der Aktienkurs deutlich erholt.

Die aktuelle Kursreaktion zeigt jedoch, wie fragil dieses Vertrauen bleibt. Anleger honorieren zwar operative Fortschritte, reagieren aber sensibel auf jede Form von Unsicherheit im Ausblick. Gerade im hochdynamischen Halbleitermarkt, in dem Wettbewerber wie NVIDIA, AMD oder asiatische Hersteller mit hohem Tempo investieren, erwarten Investoren klare Signale für Wachstum und Skalierung.

Unterm Strich steht Intel damit an einem schwierigen Punkt. Das Unternehmen liefert solide Zahlen, kämpft sich Schritt für Schritt aus der Krise und zeigt Fortschritte bei der Profitabilität. Gleichzeitig machen Lieferengpässe, hohe Investitionen und ein vorsichtiger Ausblick deutlich, dass der Weg zurück an die Spitze noch lang ist. Die heftige Kursreaktion ist daher weniger Ausdruck eines fundamentalen Einbruchs, sondern vielmehr ein Spiegel der hohen Erwartungen, die der Markt an den angeschlagenen Chipriesen stellt.

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