Palantir-Aktie zwischen Bewertungsdebatte und neuen Wachstumsfantasien
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27.01.2026

Palantir-Aktie zwischen Bewertungsdebatte und neuen Wachstumsfantasien

Die Aktie des US-Datenanalyseunternehmens Palantir Technologies gehört zu den auffälligsten Gewinnern des Börsenjahres 2025. Innerhalb von zwölf Monaten legte der Titel um rund 135 Prozent zu und rückte damit verstärkt in den Fokus internationaler Investoren. Während einige Marktbeobachter inzwischen vor einer Überbewertung warnen, sehen andere Analysten – darunter auch die Citigroup – weiterhin Spielraum für steigende Kurse. Die Palantir-Aktie steht damit exemplarisch für die Frage, wie viel Zukunft der Markt bereits eingepreist hat.

Der starke Kursanstieg ist kein Zufall. Palantir profitierte 2025 von einer ganzen Reihe hochkarätiger Aufträge und Partnerschaften, insbesondere im sicherheits- und verteidigungspolitischen Umfeld. Hinzu kommt der anhaltende Boom rund um Künstliche Intelligenz, der datengetriebene Geschäftsmodelle wie das von Palantir zusätzlich befeuert.

Verteidigungsaufträge als zentraler Kurstreiber

Ein wesentlicher Grund für das starke Börsenjahr war die wachsende Bedeutung Palantirs im militärischen und staatlichen Bereich. Das Unternehmen sicherte sich mehrere exklusive Aufträge des US-Verteidigungsministeriums und anderer Behörden. Besonders im Fokus stand dabei das sogenannte Maven Smart System – eine KI-gestützte Plattform zur Datenanalyse, die militärische Entscheidungsprozesse beschleunigen soll.

Im Mai 2025 gab das US-Verteidigungsministerium bekannt, dass Palantir eine Vertragsänderung im Volumen von 795 Millionen US-Dollar erhalten habe. Damit steigt der Gesamtwert des Projekts auf rund 1,3 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von vier Jahren. Die Fertigstellung ist für Ende Mai 2029 vorgesehen. Das System integriert große Datenmengen aus den Bereichen Aufklärung, Logistik und Zielerfassung und soll militärischen Einheiten ein deutlich verbessertes Lagebild liefern.

Diese langfristigen Verträge sorgen nicht nur für stabile Einnahmen, sondern erhöhen auch die Visibilität der künftigen Umsätze – ein wichtiger Faktor für Investoren.

NATO und internationale Partnerschaften stärken das Profil

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt Palantir durch eine Partnerschaft mit der NATO. Das Bündnis setzt bei der Modernisierung seiner digitalen und operativen Fähigkeiten auf das US-Unternehmen. Im Rahmen der Zusammenarbeit liefert Palantir das Maven Smart System NATO (MSS NATO), das künftig in den Allied Command Operations eingesetzt werden soll.

Für Palantir ist diese Kooperation strategisch bedeutsam. Sie unterstreicht nicht nur die technologische Kompetenz des Unternehmens, sondern öffnet auch Türen zu weiteren internationalen Regierungs- und Verteidigungsprojekten. Marktbeobachter sehen darin einen wichtigen Schritt, um Palantirs Abhängigkeit vom US-Markt langfristig zu reduzieren.

Expansion in zivile Märkte und neue Branchen

Neben dem Verteidigungssektor treibt Palantir auch die Expansion in zivile Anwendungsfelder voran. Ein Gemeinschaftsprojekt mit TWG Global, das im Frühjahr 2025 angekündigt wurde, zielt darauf ab, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Finanz- und Versicherungsbranche neu zu definieren. Dort sollen große Datenmengen effizienter analysiert werden, um Risiken besser zu bewerten und Prozesse zu automatisieren.

Ebenfalls im April erhielt Palantir einen Auftrag der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE im Wert von rund 30 Millionen US-Dollar. Ziel ist die Entwicklung eines „Immigration Lifecycle Operating System“, das den gesamten Einwanderungsprozess digital abbildet. Auch wenn das Volumen im Vergleich zu den Militärprojekten überschaubar ist, zeigt der Auftrag, wie breit Palantir seine Softwareplattform positionieren kann.

Hohe Bewertung sorgt für Skepsis bei Analysten

Trotz der operativen Erfolge mehren sich zuletzt kritische Stimmen. Nach dem starken Kursanstieg hat die Palantir-Aktie an Dynamik verloren. Ein zentraler Kritikpunkt ist die Bewertung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 400 liegt Palantir deutlich über vielen Wettbewerbern aus dem Software- und KI-Sektor.

Der bekannte Analyst James Foord verweist darauf, dass ein Großteil des erwarteten Wachstums bereits im Kurs enthalten sein könnte. Sollte das Umsatzwachstum langsamer ausfallen oder sich staatliche Budgets verändern, könnte dies den Aktienkurs belasten. Auch steigende Zinsen oder politische Veränderungen im Verteidigungsbereich gelten als potenzielle Risiken.

Citigroup sieht dennoch weiteres Aufwärtspotenzial

Demgegenüber stehen optimistischere Einschätzungen. Analysten der Citigroup argumentieren, dass Palantir strukturell von langfristigen Trends profitiert. Dazu zählen der wachsende Bedarf an datengetriebenen Entscheidungen, der Einsatz von KI in sicherheitskritischen Bereichen sowie die zunehmende Digitalisierung staatlicher Prozesse.

Aus Sicht der Citigroup rechtfertigen insbesondere die langfristigen Regierungsverträge und die hohe Eintrittsbarriere für Wettbewerber eine überdurchschnittliche Bewertung. Palantir verfüge über eine einzigartige Position an der Schnittstelle von Datenanalyse, KI und sicherheitsrelevanten Anwendungen.

Gründergeist und politische Nähe als Chance und Risiko

Gegründet wurde Palantir 2004 unter anderem von Peter Thiel, einem der bekanntesten Tech-Investoren des Silicon Valley. Die enge Verzahnung mit staatlichen Stellen gilt für viele Anleger als Stärke, birgt aber auch Risiken. Politische Kurswechsel oder Haushaltskürzungen könnten sich direkt auf das Geschäft auswirken.

Gleichzeitig verschafft genau diese Nähe Palantir einen Wettbewerbsvorteil, da viele Projekte aufgrund von Sicherheitsanforderungen nur an wenige Anbieter vergeben werden können.

Gründergeist und politische Nähe als Chance und Risiko

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