Super Micro Aktie unter der Lupe zwischen Turnaround Hoffnung und anhaltenden Zweifeln
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06.02.2026

Super Micro Aktie unter der Lupe zwischen Turnaround Hoffnung und anhaltenden Zweifeln

Nach der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 steht die Aktie von Super Micro Computer erneut im Mittelpunkt der Analystendiskussionen. Während einige Marktbeobachter erstmals seit mehreren Quartalen Anzeichen einer operativen Stabilisierung erkennen, bleiben andere Häuser skeptisch und warnen vor strukturellen Risiken bei Margen und Kundenstruktur. Entsprechend uneinheitlich fällt das aktuelle Analystensentiment aus.

Die am dritten Februar veröffentlichten Zahlen fielen insgesamt besser aus als von vielen Marktteilnehmern erwartet. Super Micro konnte ambitionierte Umsatzziele erreichen und hob zugleich den Ausblick für die kommenden Quartale leicht an. Nach einer längeren Phase enttäuschter Erwartungen werten mehrere Analysten dies als möglichen Wendepunkt.

Analysten erkennen erste operative Stabilisierung

Laut einem Bericht von barchart sehen mehrere Analysten in den jüngsten Zahlen einen ersten Schritt in Richtung operativer Erholung. Besonders positiv bewertet wird, dass Super Micro seine internen Ziele wieder erreicht hat und zugleich eine verbesserte Visibilität für das laufende Geschäftsjahr bietet.

Der Analyst Matt Bryson von Wedbush bestätigte seine Halteempfehlung und setzte ein Kursziel von rund 41 Dollar an. Bezogen auf den letzten Schlusskurs von etwa 31 Dollar ergibt sich daraus ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von rund 34 Prozent. Bryson verwies darauf, dass sich das operative Bild im Vergleich zu den Vorquartalen deutlich verbessert habe. In den vergangenen Quartalen habe das Unternehmen mehrfach eigene Zielmarken verfehlt, was nun erstmals nicht mehr der Fall gewesen sei.

Auch Quinn Bolton von Needham bleibt grundsätzlich positiv gestimmt. Er hält an seiner Kaufempfehlung fest, reduzierte das Kursziel jedoch leicht auf rund 39 Dollar. Trotz dieser Anpassung sieht Bolton weiterhin ein attraktives Kurspotenzial von knapp 28 Prozent. Entscheidend sei aus seiner Sicht, dass Super Micro wieder verlässlicher liefere und sich die operative Planung stabilisiere.

Der Analyst Jeff Pu von GF Securities zeigte sich ebenfalls konstruktiv. Er verwies auf eine allmähliche Stabilisierung der Margen sowie ein verbessertes Kostenbild. Mit steigenden Produktionsvolumina könnten Skaleneffekte greifen, die mittelfristig zu einer Entlastung auf der Ergebnisebene führen könnten.

KI Nachfrage bleibt zentraler Wachstumstreiber

Ein wesentlicher Treiber für die aktuelle Erholung bleibt die anhaltend starke Nachfrage nach KI Servern. Super Micro ist stark im Bereich leistungsstarker Rechenzentrumsserver positioniert, die für Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz benötigt werden. Der Ausbau von Rechenzentren weltweit sorgt weiterhin für hohe Investitionsbereitschaft bei Großkunden.

Mehrere Analysten betonen jedoch, dass gerade diese Großaufträge zwar hohe Umsätze bringen, aber häufig mit geringeren Margen verbunden sind. Dies erklärt auch, warum der Umsatz zuletzt deutlich stärker gewachsen ist als der Gewinn.

Goldman Sachs und Bank of America bleiben skeptisch

Trotz der operativen Fortschritte bleibt der Ton bei einigen großen Investmenthäusern zurückhaltend. Sowohl Goldman Sachs als auch die Bank of America halten an ihren Verkaufsempfehlungen fest.

Goldman Analyst Mike Ng erkennt zwar eine weiterhin robuste Nachfrage nach KI Infrastruktur, äußert jedoch deutliche Bedenken mit Blick auf die Profitabilität. Die Bruttomarge lag im abgelaufenen Quartal bei etwa 6,6 Prozent und damit leicht unter den Erwartungen. Ng warnt davor, dass große Kundenaufträge mit geringerer Preissetzungsmacht sowie höhere Logistikkosten den Margendruck länger aufrechterhalten könnten.

Besonders kritisch sieht Goldman die hohe Kundenkonzentration. Zuletzt entfiel auf einen einzelnen Großkunden rund 62 Prozent des Gesamtumsatzes. Diese Abhängigkeit stelle ein strukturelles Risiko dar, sollte sich das Bestellverhalten dieses Kunden ändern oder verzögern.

Auch die Bank of America erkennt zwar das starke Umsatzwachstum an, erwartet jedoch, dass sich die Gewinnentwicklung langsamer vollzieht als die Erlösseite. Große KI Projekte seien typischerweise margenschwächer und könnten kurzfristig eher auf die Profitabilität drücken als sie zu stützen.

Aktie bleibt deutlich volatil

Die unterschiedlichen Einschätzungen der Analysten spiegeln sich klar im Kursverlauf wider. Unmittelbar nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen reagierte die Aktie von Super Micro Computer zunächst mit deutlichen Kursgewinnen. Diese hielten jedoch nicht lange an.

Am darauffolgenden Handelstag verlor das Papier im regulären Handel an der NASDAQ mehr als acht Prozent und schloss bei rund 30,90 Dollar. Im nachbörslichen Handel setzte sich die Schwäche fort, dort gab die Aktie nochmals um gut drei Prozent auf etwa 29,90 Dollar nach.

Trotz dieser kurzfristigen Korrektur liegt die Aktie seit Jahresbeginn weiterhin leicht im Plus. Das zeigt, wie sensibel der Markt auf neue Informationen reagiert und wie hoch die Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung bleibt.

Analystensentiment bleibt gespalten

Ein Blick auf die Daten von TipRanks verdeutlicht die aktuelle Uneinigkeit. Derzeit wird die Aktie von rund zehn Analysten regelmäßig beobachtet. Zwei sprechen sich für einen Kauf aus, sechs empfehlen das Halten der Aktie und zwei raten weiterhin zum Verkauf.

Das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwa 39 Dollar und signalisiert damit ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von rund 25 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs. Diese Spanne zeigt, dass zwar Hoffnung auf eine Erholung besteht, die Risiken jedoch weiterhin klar gesehen werden.

Fazit zwischen Chance und Risiko

Die Super Micro Aktie befindet sich an einem entscheidenden Punkt. Die jüngsten Quartalszahlen liefern erstmals seit längerer Zeit Hinweise auf eine operative Stabilisierung und eine bessere Planbarkeit. Gleichzeitig bleiben strukturelle Risiken bestehen, insbesondere bei Margen und Kundenkonzentration.

Für Anleger bedeutet das ein klassisches Szenario mit Chancen und Risiken. Gelingt es Super Micro, die Margen schrittweise zu verbessern und die Abhängigkeit von einzelnen Großkunden zu reduzieren, könnte sich die Aktie mittelfristig weiter erholen. Bleibt der Margendruck jedoch hoch oder schwächt sich die Nachfrage ab, drohen neue Rückschläge. Entsprechend hoch bleibt die Volatilität und entsprechend geteilt bleibt das Urteil der Analysten.

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