Strategiewechsel bei BP Rückkehr zum klassischen Öl und Gasgeschäft
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10.02.2026

Strategiewechsel bei BP Rückkehr zum klassischen Öl und Gasgeschäft

Der britische Energiekonzern BP vollzieht einen deutlichen Kurswechsel. Trotz gestiegener Gewinne legt das Unternehmen sein Aktienrückkaufprogramm vorerst auf Eis und richtet den strategischen Fokus wieder stärker auf das klassische Öl und Gasgeschäft. Damit verabschiedet sich BP zumindest teilweise von der in den vergangenen Jahren betonten Transformation hin zu klimafreundlicheren Geschäftsfeldern. Im vierten Quartal konnte BP operativ durchaus überzeugen. Der bereinigte Nettogewinn stieg im Schlussquartal um rund dreißig Prozent auf etwa 1,6 Milliarden US Dollar. Dennoch entschied sich das Management, überschüssige Mittel künftig nicht mehr in eigene Aktien, sondern in neue Förderprojekte zu investieren. Diese Entscheidung sorgt an den Finanzmärkten für Diskussionen, da viele Anleger in den vergangenen Jahren besonders die großzügigen Rückkäufe als Stütze für den Aktienkurs schätzten.

Aktienrückkäufe gestoppt trotz solider Quartalszahlen

Noch im zurückliegenden Quartal hatte BP eigene Aktien im Volumen von rund 780 Millionen US Dollar zurückgekauft. Dieses Programm wird nun ausgesetzt. Der Konzern begründet diesen Schritt mit der Notwendigkeit, künftig wieder mehr Kapital in das Kerngeschäft zu lenken. Öl und Gas sollen erneut stärker in den Mittelpunkt rücken, um die Ertragskraft nachhaltig zu verbessern. Der Strategiewechsel erfolgt in einer Phase, in der sich die Energiepreise zwar stabilisiert haben, der Wettbewerb innerhalb der Branche jedoch intensiver geworden ist. Insbesondere US Konzerne haben ihre Kostenstrukturen optimiert und konnten ihre Profitabilität deutlich steigern. BP sieht sich hier zunehmend unter Zugzwang.

Neuer Managementkurs unter künftiger Konzernchefin

Ein wesentlicher Treiber der neuen Ausrichtung ist der anstehende Führungswechsel. Die künftige Konzernchefin Meg O Neill wird ihr Amt im April antreten und setzt offenbar frühzeitig neue Prioritäten. Überschüssige Barmittel sollen nicht mehr primär an Aktionäre zurückfließen, sondern zur Finanzierung neuer Öl und Gasprojekte genutzt werden. Damit sendet BP ein klares Signal an den Markt. Wachstum und Profitabilität sollen wieder stärker aus dem traditionellen Geschäft kommen. Die Transformation hin zu erneuerbaren Energien verliert zumindest kurzfristig an Gewicht. Dieser Kurs unterscheidet sich deutlich von früheren Ankündigungen, in denen BP sich als Vorreiter der Energiewende positionieren wollte.

Hohe Abschreibungen belasten Ergebnis zusätzlich

Parallel zum Strategiewechsel musste BP im vierten Quartal erhebliche Abschreibungen vornehmen. Insgesamt summierten sich diese auf rund 4,3 Milliarden US Dollar. Besonders betroffen waren die Solarsparte Lightsource BP sowie das US Biogasgeschäft Archaea. Diese Wertberichtigungen verdeutlichen, dass die Investitionen in kohlenstoffärmere Geschäftsfelder bislang nicht die erhofften Renditen geliefert haben. Für BP ist dies ein weiterer Grund, den Fokus wieder stärker auf Bereiche zu legen, in denen das Unternehmen traditionell über Knowhow und Skalenvorteile verfügt.

Rückstand gegenüber Wettbewerbern wächst

Seit Jahren hinkt BP bei der Profitabilität hinter großen Wettbewerbern zurück. Besonders Exxon Mobil und Shell konnten ihre Margen deutlich steigern und profitieren von einer klareren Fokussierung auf das Kerngeschäft. Während diese Konzerne frühzeitig Kosten senkten und ihre Förderportfolios optimierten, investierte BP stark in erneuerbare Energien. Diese Strategie brachte zwar positives Imagekapital, belastete jedoch kurzfristig die Ertragskraft. Der neue Verwaltungsratschef Albert Manifold will diesen Rückstand nun aufholen.

Investitionen sollen Profitabilität steigern

Albert Manifold hat angekündigt, die Investitionen von kohlenstoffärmeren Geschäftsfeldern wieder stärker in Richtung Öl und Gas umzulenken. Ziel ist es, die Kapitalrendite zu verbessern und den Abstand zu den Wettbewerbern zu verkleinern. Für Anleger ist dieser Kurswechsel ambivalent. Einerseits verspricht die stärkere Fokussierung auf rentable Projekte kurzfristig höhere Gewinne. Andererseits stellt sich die Frage, wie BP langfristig mit dem politischen und gesellschaftlichen Druck zur Dekarbonisierung umgehen will. Der Markt reagiert zurückhaltend. An der Börse wurde die Entscheidung gemischt aufgenommen. Während einige Investoren den Strategiewechsel als pragmatisch bewerten, zeigen sich andere skeptisch. Der Verzicht auf Aktienrückkäufe könnte den Kurs kurzfristig belasten, insbesondere in einem Umfeld, in dem viele Energieunternehmen hohe Ausschüttungen vornehmen. Langfristig hängt der Erfolg der neuen Strategie davon ab, ob BP seine Investitionen effizient umsetzt und die Produktionskosten im Griff behält. Die kommenden Quartale dürften entscheidend dafür sein, ob der Konzern verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann.

Fazit BP setzt auf bewährtes Geschäft mit Risiken

BP verabschiedet sich vorerst von einem zentralen Element seiner bisherigen Kapitalmarktstrategie. Trotz steigender Gewinne werden Aktienrückkäufe gestoppt, um mehr Mittel in Öl und Gas zu investieren. Hohe Abschreibungen und der Rückstand gegenüber Wettbewerbern machen den Kurswechsel nachvollziehbar. Gleichzeitig bleibt das Risiko bestehen, dass BP langfristige Chancen im Bereich erneuerbarer Energien verpasst. Für Anleger bedeutet dies eine Phase erhöhter Unsicherheit. Der Konzern steht vor der Herausforderung, kurzfristige Profitabilität mit langfristiger Zukunftsfähigkeit in Einklang zu bringen.

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