TUI will wieder stärker ins Massengeschäft
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10.02.2026

TUI will wieder stärker ins Massengeschäft

Der Reisekonzern TUI richtet seine Strategie neu aus und will künftig wieder stärker im klassischen Massengeschäft mit günstigeren Pauschalreisen wachsen. Vorstandschef Sebastian Ebel bestätigte am Dienstag vor Beginn der Hauptversammlung in Hannover, dass der Konzern eine zusätzliche Vertriebsmarke für preisbewusste Kunden prüft. Ziel ist es, neue Nachfrage zu erschließen, ohne die Profitabilität der höherpreisigen Kernmarke zu gefährden. Ebel machte deutlich, dass es sich dabei nicht um eine Rückkehr zu früherer Markenvielfalt handeln solle. Vielmehr gehe es um eine klar abgegrenzte Abverkaufsmarke mit schlanker Kostenstruktur. Konkretere Informationen sollen innerhalb der kommenden vier bis sieben Monate folgen. Die neue Marke soll gezielt günstigere Reisen anbieten und gleichzeitig sicherstellen, dass die Hauptmarke TUI ihre Position im höherwertigen Segment behält.

Strategiewechsel nach Jahren der Fokussierung

Der Schritt markiert einen deutlichen Kurswechsel gegenüber der Strategie von Ebels Vorgänger Fritz Joussen. Unter seiner Führung hatte TUI die Markenvielfalt stark reduziert und zahlreiche frühere Marken auf die Hauptmarke TUI umgestellt. Dazu gehörten unter anderem Thomson in Großbritannien sowie 1 2 Fly in Deutschland. Ziel war es, TUI klar im höherpreisigen Segment zu positionieren und Komplexität zu reduzieren.

Heute ist TUI mit Marken wie Riu Robinson und Royalton vor allem im Premium und oberen Mittelklassesegment vertreten. Dieses Segment bleibt zwar profitabel, stößt jedoch zunehmend an Wachstumsgrenzen. Gleichzeitig sind Urlaubsreisen in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Das führt dazu, dass ein wachsender Teil der Kundschaft verstärkt auf den Preis achtet und günstigere Alternativen sucht.

Kunden buchen später und erschweren Planung

Parallel zur strategischen Neuausrichtung steht TUI weiterhin vor operativen Herausforderungen. Kunden buchen ihre Reisen nach wie vor sehr kurzfristig. Das erschwert die Planung von Flug und Hotelkontingenten erheblich. Für die wichtige Sommersaison zeichnet sich im Pauschalreisegeschäft trotz steigender Preise aktuell ein Umsatzrückgang von rund zwei Prozent ab.Um Risiken zu begrenzen, hatte TUI für den Winter bereits vorsichtiger disponiert und weniger Hotel und Flugkontingente vorab eingekauft. Dadurch sollte vermieden werden, Restplätze am Ende mit hohen Rabatten verkaufen zu müssen. Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember reisten im klassischen Pauschalreisegeschäft etwa 3,8 Millionen Urlauber mit TUI. Das waren rund zwei Prozent weniger als im Vorjahr.

Lücke im Budget Segment wird größer

Zusätzliche Chancen sieht TUI im günstigen Pauschalreisegeschäft vor allem deshalb, weil mehrere wichtige Wettbewerber vom Markt verschwunden sind. Unternehmen wie Thomas Cook Neckermann und FTI mussten in den vergangenen Jahren Insolvenz anmelden. Damit ist ein relevanter Teil des Angebots im Budget Segment weggefallen. Sebastian Ebel räumte ein, dass TUI in diesem Bereich derzeit deutlich unterrepräsentiert sei. Gleichzeitig betonte er, dass es nicht um reines Volumenwachstum gehe. Die neue Marke müsse wirtschaftlich arbeiten und Gewinne erzielen. Ein Rückfall in ein unübersichtliches Markenportfolio sei ausdrücklich nicht geplant.

Mehr Gäste aber stagnierender Umsatz

Konzernweit konnte TUI die Zahl der Gäste dennoch steigern. Insgesamt nutzten etwa 7,2 Millionen Kunden Angebote des Konzerns. Das Wachstum kam jedoch vor allem aus dem Kreuzfahrtgeschäft sowie aus Ausflügen und Veranstaltungen an den Urlaubsorten. Diese Zusatzangebote sind zwar margenstark, bringen aber deutlich weniger Umsatz als eine komplette Pauschalreise. Entsprechend stagnierte der Konzernumsatz trotz höherer Gästezahlen bei rund 5,0 Milliarden EUR. Für Investoren ist das ein wichtiger Punkt. Wachstum bei der Kundenzahl allein reicht nicht aus, wenn der durchschnittliche Erlös pro Kunde sinkt oder nicht steigt. Finanziell entwickelte sich TUI dennoch besser als in den Vorjahren. Der Konzern startete so stark ins Winterhalbjahr wie nie zuvor. Das traditionell schwache erste Geschäftsquartal bis Ende Dezember war früher meist verlustreich. Diesmal steigerte TUI den bereinigten operativen Gewinn auf rund 79 Millionen EUR. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als fünfzig Prozent. Unter dem Strich blieb zwar ein Verlust von etwa 46 Millionen EUR, dieser fiel jedoch deutlich geringer aus als im Vorjahr. Auch die Nettoverschuldung konnte TUI weiter reduzieren. Sie sank um rund 0,6 Milliarden EUR auf etwa 3,7 Milliarden EUR. An der Börse reagierten Anleger dennoch zurückhaltend. Die TUI Aktie verlor kurz nach Handelsbeginn rund zwei Prozent an Wert.

Belastungen durch Naturkatastrophen

Zusätzlich belastet wurde das Ergebnis durch externe Faktoren. Im Oktober sorgte Hurrikan Melissa auf Jamaika für erhebliche Schäden. TUI musste Hotels der Marken Riu und Royalton vorübergehend schließen. Das drückte das operative Ergebnis um rund elf Millionen EUR. Weitere Belastungen von etwa sieben Millionen EUR entstanden durch Flugausfälle und organisatorische Maßnahmen infolge des Wirbelsturms. Auch im zweiten Geschäftsquartal bis Ende März rechnet der Konzern noch mit Nachwirkungen dieser Ereignisse. Solche Risiken bleiben für Reiseveranstalter ein strukturelles Problem, insbesondere in Zeiten zunehmender Wetterextreme.

Ausblick bleibt vorsichtig optimistisch

Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September hält Vorstandschef Ebel an seiner Prognose fest. TUI rechnet weiterhin mit einem währungsbereinigten Umsatzanstieg von zwei bis vier Prozent. Der bereinigte operative Gewinn soll um sieben bis zehn Prozent wachsen. Ein zentraler Hebel bleibt dabei das laufende Kostensenkungsprogramm. TUI will im Veranstaltergeschäft rund 260 Millionen EUR einsparen. Der Fokus liegt vor allem auf allgemeinen Kosten und effizienteren Prozessen. Laut Ebel befindet sich der Konzern dabei auf einem sehr guten Weg.

Fazit neue Balance zwischen Masse und Marge

Mit der geplanten Rückkehr ins Budget Segment versucht TUI, eine neue Balance zwischen Wachstum und Profitabilität zu finden. Die neue Abverkaufsmarke könnte helfen, Marktanteile zurückzugewinnen und Lücken zu schließen, die durch den Wegfall wichtiger Wettbewerber entstanden sind. Gleichzeitig bleibt entscheidend, dass die Kernmarke TUI ihre Position im höherwertigen Segment behält. Für Anleger bleibt die Aktie damit ein spannender, aber auch anspruchsvoller Wert. Der Erfolg der neuen Strategie wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.

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