WACKER CHEMIE rutscht 2025 tief in die Verlustzone – Aktie reagiert nervös
Der Chemiekonzern WACKER CHEMIE hat ein äußerst schwieriges Geschäftsjahr 2025 hinter sich. Nach vorläufigen Zahlen belasteten eine schwache Konjunktur, hohe Energiekosten und umfangreiche Wertberichtigungen das Ergebnis massiv. Statt eines Gewinns wie im Vorjahr weist das MDAX-Unternehmen nun einen hohen Nettoverlust aus. Entsprechend volatil reagierte die Aktie im Handel, da Investoren die Perspektiven für 2026 neu bewerten. Besonders schwer wiegen dabei Abschreibungen auf Beteiligungen und Zukäufe aus den vergangenen Jahren. Sie verdeutlichen, wie stark sich das Marktumfeld für Chemie- und Spezialmaterialien eingetrübt hat. Sowohl in Europa als auch weltweit.
Operatives Ergebnis bricht deutlich ein
Auch auf operativer Ebene fiel das Jahr enttäuschend aus. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank bei einem Umsatzrückgang von vier Prozent auf 5,49 Milliarden Euro um ganze 42 Prozent auf nur noch 430 Millionen Euro. Analysten hatten beim Umsatz in etwa dieses Niveau erwartet, beim operativen Ergebnis jedoch deutlich höhere Werte prognostiziert.Belastend wirkten mehrere Faktoren gleichzeitig. Neben einer schleppenden Absatzentwicklung führte eine geringere Nachfrage in wichtigen Abnehmerindustrien zu einer niedrigen Auslastung der Produktionsanlagen. Zusätzlich belastete eine Rückstellung von rund 100 Millionen Euro für das laufende Kostensenkungsprogramm das Ergebnis. Das Management reagiert damit auf die strukturell schwierige Lage, insbesondere im europäischen Chemiesektor.
Nach Angaben des Unternehmens dürfte im Geschäftsjahr 2025 ein Nettoverlust von rund 800 Millionen Euro angefallen sein. Im Vorjahr hatte WACKER CHEMIE noch einen Überschuss von 261 Millionen Euro erzielt. Hauptursache für den drastischen Einbruch sind umfangreiche Wertberichtigungen, unter anderem auf die Beteiligung am Halbleiterwafer-Hersteller Siltronic sowie auf den 2023 übernommenen Auftragsfertiger ADL Biopharma.
Diese Abschreibungen spiegeln die veränderten Rahmenbedingungen in mehreren Kernmärkten wider. Insbesondere die Halbleiterindustrie litt 2025 unter Überkapazitäten und einer schwächeren Nachfrage, während sich im Biopharma-Bereich Investitionsentscheidungen verzögerten. Für WACKER CHEMIE bedeutet dies eine deutliche Korrektur früherer Wachstumserwartungen.
Hohe Energiekosten als strukturelles Problem
Ein weiterer zentraler Belastungsfaktor sind die im internationalen Vergleich hohen Energiekosten in Deutschland. WACKER CHEMIE betreibt energieintensive Produktionsanlagen, etwa für Silikone und Polysilizium. Trotz zwischenzeitlich gesunkener Energiepreise bleiben die Kosten im Standortvergleich hoch und beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit.
Das Unternehmen betonte, dass diese Rahmenbedingungen insbesondere im Vergleich zu Wettbewerbern in den USA und Asien ein strukturelles Problem darstellen. Dort profitieren Chemiekonzerne häufig von niedrigeren Energiepreisen und staatlichen Förderprogrammen. Für WACKER CHEMIE erhöht dies den Druck, Prozesse effizienter zu gestalten und Kapazitäten flexibel anzupassen.
Die WACKER CHEMIE Aktie reagiert volatil auf schwache Zahlen
An der Börse reagierten Anleger zunächst nervös. Die Aktie von WACKER CHEMIE geriet nach Veröffentlichung der Zahlen unter Druck, drehte kurzzeitig ins Plus und fiel anschließend erneut zurück. Im XETRA-Handel notierte das Papier zeitweise rund ein Prozent tiefer bei etwa 72 Euro.
Der Analyst Chetan Udeshi von JPMorgan sprach von einer klaren Verfehlung selbst der zuletzt deutlich gesenkten Markterwartungen beim operativen Gewinn. Allerdings relativierte er, dass das Ebitda bereinigt um Sonderaufwendungen aus dem Sparprogramm nur leicht unter den Konsensschätzungen gelegen habe. Die veröffentlichten Eckdaten für das vierte Quartal und das Gesamtjahr bezeichnete er dennoch als sehr schwach.
Lagerabbau belastet kurzfristig, stärkt aber den Cashflow
Neben dem schwierigen Branchenumfeld litt WACKER CHEMIE 2025 auch unter einem eigenen Lagerbestandsabbau. Dieser führte zu einer deutlich geringeren Kapazitätsauslastung und belastete kurzfristig Umsatz und Ergebnis. Gleichzeitig hatte dieser Schritt jedoch einen positiven Nebeneffekt. In Kombination mit niedrigeren Investitionen führte der Lagerabbau zu einem starken freien Finanzmittelfluss (Free Cashflow). Das verschafft dem Unternehmen zumindest finanziellen Spielraum, um die laufende Transformation zu finanzieren und die Bilanz zu stabilisieren. Für Investoren ist dies ein wichtiger Punkt, da Liquidität in einem schwachen Marktumfeld an Bedeutung gewinnt.
Sparprogramm läuft – Ausblick rückt in den Fokus
Peter Spengler von der DZ Bank sieht trotz der schwachen Zahlen nur geringen Anpassungsbedarf für seine Schätzungen. Das angekündigte Sparprogramm sei bereits angelaufen und die Effekte dürften sich in den kommenden Quartalen stärker bemerkbar machen. Die nächsten entscheidenden Kurstreiber sieht der Analyst in den finalen Geschäftszahlen sowie im ersten konkreten Ausblick auf das Jahr 2026. Anleger hoffen auf Signale, dass sich Nachfrage und Margen zumindest stabilisieren könnten. Entscheidend wird sein, ob WACKER CHEMIE von einer konjunkturellen Erholung profitieren kann und wie schnell sich die Effizienzmaßnahmen im Ergebnis niederschlagen.
Der Fall WACKER CHEMIE steht exemplarisch für die Lage der europäischen Chemieindustrie. Hohe Kosten, schwache Nachfrage und geopolitische Unsicherheiten belasten viele Unternehmen der Branche. Gleichzeitig gilt Chemie als zyklischer Sektor, der bei einer wirtschaftlichen Erholung überproportional profitieren kann. Für WACKER CHEMIE bedeutet das: Kurzfristig bleibt die Lage angespannt, mittelfristig hängt viel von der globalen Konjunktur, den Energiepreisen und dem Erfolg des Sparprogramms ab. Die Aktie dürfte daher auch in den kommenden Monaten volatil bleiben.
Schwieriges Jahr, entscheidende Phase steht bevor
2025 war für WACKER CHEMIE eines der schwächsten Jahre der jüngeren Unternehmensgeschichte. Hohe Abschreibungen, ein Einbruch des operativen Ergebnisses und ein massiver Nettoverlust belasten Vertrauen und Bewertung. Positiv ist jedoch der starke freie Cashflow und der laufende Kostenumbau.
Für Anleger wird 2026 zu einem entscheidenden Jahr. Gelingt es dem Unternehmen, die Kostenbasis nachhaltig zu senken und von einer konjunkturellen Erholung zu profitieren, könnte die Aktie wieder an Attraktivität gewinnen. Bis dahin bleibt WACKER CHEMIE jedoch ein Wert für geduldige Investoren mit hoher Risikobereitschaft.
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