AMD-Aktie rutscht trotzdem ab: Geschäfte beim NVIDIA-Rivalen laufen besser als erwartet
Die Quartalszahlen von AMD fielen auf den ersten Blick klar besser aus als erwartet. Umsatz und Gewinn übertrafen sowohl im Schlussquartal 2025 als auch im Gesamtjahr die Prognosen der Analysten deutlich. Dennoch reagierte der Markt enttäuscht: Die Aktie des Halbleiterkonzerns geriet im vorbörslichen Handel an der NASDAQ kräftig unter Druck. Dieses scheinbare Paradox zeigt, wie hoch die Erwartungen an AMD inzwischen geworden sind und wie sensibel Anleger auf kleinste Unsicherheiten reagieren.
Starkes Quartal: Gewinn und Umsatz über Erwartungen
Im vierten Quartal 2025 lieferte AMD ein überzeugendes Zahlenwerk ab. Der Non-GAAP-Gewinn je Aktie lag bei 1,52 US-Dollar und damit deutlich über den durchschnittlichen Analystenschätzungen von 1,33 US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahresquartal, als AMD noch 1,10 US-Dollar je Aktie verdient hatte, entspricht dies einem kräftigen Ergebnisanstieg.
Auch auf der Umsatzseite konnte der Chipkonzern überzeugen. Die Erlöse kletterten im Jahresvergleich von 7,66 Milliarden US-Dollar auf 10,27 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten im Vorfeld lediglich mit rund 9,68 Milliarden US-Dollar gerechnet. Damit unterstrich AMD, dass die Nachfrage nach seinen Produkten, insbesondere im Rechenzentrums- und KI-Umfeld, weiterhin hoch ist.
Gesamtjahr 2025: Wachstum auf breiter Front
Nicht nur das Quartal, auch das Gesamtjahr 2025 fiel besser aus als erwartet. Der Non-GAAP-Gewinn belief sich auf 4,17 US-Dollar je Aktie, während der Markt im Schnitt lediglich 3,97 US-Dollar prognostiziert hatte. Im Vorjahr hatte AMD noch ein EPS von 3,32 US-Dollar erzielt.
Beim Umsatz setzte sich das Wachstum ebenfalls fort. Mit 34,64 Milliarden US-Dollar übertraf AMD die Analystenschätzungen von 34,09 Milliarden US-Dollar klar. Gegenüber dem Vorjahr, in dem 25,78 Milliarden US-Dollar umgesetzt worden waren, entspricht dies einem kräftigen Zuwachs. Damit zählt AMD weiterhin zu den wachstumsstärksten großen Halbleiterherstellern weltweit.
Warum fällt die Aktie trotz guter Zahlen?
Trotz dieser klar positiven Fundamentaldaten verlor die AMD-Aktie im vorbörslichen Handel zeitweise 7,68 Prozent und rutschte auf rund 223,50 US-Dollar ab. Der Hauptgrund liegt weniger in den veröffentlichten Zahlen selbst, sondern vielmehr in der Erwartungshaltung des Marktes.
AMD ist inzwischen stark als KI-Profiteur positioniert. Viele Investoren hatten gehofft, dass der Konzern im Ausblick noch deutlich aggressiveres Wachstum in Aussicht stellt oder klarere Marktanteilsgewinne gegenüber dem Branchenprimus NVIDIA signalisiert. Genau hier blieb das Management jedoch vergleichsweise vorsichtig.
In einem Marktumfeld, in dem KI-Aktien teils extrem ambitioniert bewertet sind, reicht „besser als erwartet“ oft nicht mehr aus. Anleger verlangen klare Übertreffungen beim Ausblick. Nicht nur solide Rückblicke.
Konkurrenzdruck durch NVIDIA bleibt hoch
Ein weiterer Belastungsfaktor ist der anhaltend starke Wettbewerbsdruck durch NVIDIA. Während AMD bei CPUs und ausgewählten Beschleunigern zunehmend Marktanteile gewinnt, dominiert NVIDIA weiterhin den Markt für KI-Beschleuniger in Rechenzentren. Viele Großkunden setzen nach wie vor primär auf die CUDA-Plattform von NVIDIA, was den Wechsel zu AMD-Lösungen verlangsamt.
Zwar konnte AMD mit seinen Instinct-Beschleunigern zuletzt einige Achtungserfolge erzielen, doch Anleger warten auf den klaren Durchbruch im ganz großen Stil. Solange NVIDIA hier den Takt vorgibt, bleibt AMD aus Sicht vieler Investoren der „herausfordernde Verfolger“, nicht der dominante Gewinner.
Bewertung als zusätzliche Belastung
Hinzu kommt die Bewertung. Nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate ist ein Großteil der positiven Erwartungen bereits im Aktienkurs eingepreist. Selbst gute Zahlen können dann als Anlass für Gewinnmitnahmen dienen. Besonders kurzfristig orientierte Anleger nutzen solche Ereignisse häufig, um Positionen zu reduzieren.
Der Kursrutsch nach den Zahlen ist daher weniger als Misstrauensvotum gegen das Geschäftsmodell zu verstehen, sondern vielmehr als Ausdruck einer überhitzten Erwartungslage. AMD muss inzwischen nicht nur wachsen, sondern schneller wachsen als ohnehin schon erwartet.
Langfristige Perspektive bleibt intakt
Trotz der kurzfristigen Kursverluste bleibt die langfristige Perspektive von AMD solide. Das Unternehmen ist in mehreren strukturellen Wachstumsfeldern aktiv, darunter Rechenzentren, Hochleistungs-CPUs, KI-Beschleuniger und Gaming. Die starke Umsatzdynamik im Jahr 2025 zeigt, dass AMD von diesen Trends profitiert.
Zudem ist der Konzern finanziell solide aufgestellt und kann weiter in Forschung und Entwicklung investieren. Gerade im Halbleitersektor ist dies entscheidend, um technologisch nicht den Anschluss zu verlieren.
Fazit: Gute Zahlen reichen an der Börse nicht immer aus
Der Kursrutsch der AMD-Aktie trotz klar übertroffener Erwartungen verdeutlicht eine wichtige Börsenregel: Nicht die Zahlen allein zählen, sondern der Vergleich mit den Erwartungen der Anleger. AMD hat operativ geliefert, doch der Markt wollte mehr, insbesondere im Hinblick auf den KI-Ausblick und die Positionierung gegenüber NVIDIA.
Kurzfristig dürfte die Aktie volatil bleiben. Mittel- bis langfristig hängt die weitere Kursentwicklung entscheidend davon ab, ob AMD seine Rolle im KI-Markt weiter ausbauen und den Abstand zu NVIDIA spürbar verringern kann. Für Anleger bleibt AMD damit ein spannender, aber anspruchsvoller Titel in einem extrem kompetitiven Umfeld.
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