DAX tritt zum Wochenschluss auf der Stelle – politische Entspannung sorgt für Atempause
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23.01.2026

DAX tritt zum Wochenschluss auf der Stelle – politische Entspannung sorgt für Atempause

Nach der kräftigen Erholung am Donnerstag dürfte der deutsche Aktienmarkt am Freitag zunächst einen Gang zurückschalten. Der Leitindex zeigt sich vor dem Handelsstart stabil und pendelt nur minimal über dem Schlussstand des Vortages. Damit setzt sich eine Phase der Konsolidierung fort, nachdem der Markt zuletzt spürbar von politischen Nachrichten bewegt worden war.

Am Donnerstag hatte der DAX mit einem deutlichen Tagesplus überzeugt und den Handel bei 24.856 Punkten beendet. Dieser Anstieg war weniger das Ergebnis neuer Konjunkturdaten, sondern vielmehr Ausdruck einer spürbaren Entspannung auf geopolitischer Ebene. Zum Ende der Woche scheinen viele Marktteilnehmer nun jedoch innezuhalten. In den vorbörslichen Indikationen deutet wenig auf größere Ausschläge hin, was auf eine abwartende Haltung hindeutet.

Trotz der verhaltenen Erwartungen bleibt der Index in Schlagdistanz zur psychologisch wichtigen Marke von 25.000 Punkten. Diese Schwelle war zu Beginn der Woche unterschritten worden, nachdem neue Zollsorgen für Unruhe gesorgt hatten. Inzwischen haben sich diese Bedenken deutlich abgeschwächt. Vor allem die jüngsten Signale aus Washington wurden an den Märkten positiv aufgenommen. Die Kehrtwende der US Regierung im Streit um Grönland hat die Stimmung spürbar aufgehellt und das Risiko weiterer handelspolitischer Eskalationen zumindest kurzfristig reduziert.

Beobachter sprechen von einer klaren Erleichterungsreaktion. Am Donnerstag griffen Anleger wieder beherzt zu. Das Handelsvolumen im DAX erreichte dabei den höchsten Stand seit Jahresbeginn. Diese breite Kaufbereitschaft deutet darauf hin, dass viele Investoren zuvor an der Seitenlinie standen und nun die Entspannung nutzten, um Positionen aufzubauen oder aufzustocken. Dennoch folgt auf solche dynamischen Tage an der Börse häufig eine Phase der Beruhigung, in der neue Impulse erst abgewartet werden.

Der Blick zurück zeigt, wie sensibel der Markt zuletzt reagiert hat. Erst vor wenigen Tagen hatte der DAX ein neues Rekordniveau erreicht und erstmals in seiner Geschichte die Marke von 25.500 Punkten überschritten. Dieses Hoch markierte zugleich den vorläufigen Höhepunkt der jüngsten Rally. Danach führten politische Unsicherheiten und drohende Handelskonflikte zu Gewinnmitnahmen. Die rasche Erholung unterstreicht jedoch, dass viele Anleger weiterhin bereit sind, Rücksetzer zu nutzen.

Ein entscheidender Faktor bleibt die politische Großwetterlage. Die Rücknahme der angekündigten US Strafzölle gegen mehrere europäische Länder, darunter auch Deutschland, hat ein wichtiges Risiko vom Tisch genommen. Zusätzlich sorgte die Ankündigung eines Rahmenabkommens zwischen den USA und der Nato zur Beilegung des Grönland Streits für Erleichterung. Für den Markt ist dies ein weiteres Beispiel dafür, dass harte politische Ankündigungen nicht zwangsläufig in konkrete Maßnahmen münden.

An den Börsen hat sich dafür längst ein eigener Begriff etabliert. Viele Investoren setzen darauf, dass politische Drohungen im Verlauf abgeschwächt oder ganz zurückgenommen werden. Diese Strategie hat sich in der Vergangenheit mehrfach als erfolgreich erwiesen. Auch diesmal scheinen Marktteilnehmer darauf vertraut zu haben, dass wirtschaftliche Schäden vermieden werden, sobald die Reaktionen an den Finanzmärkten deutlich negativ ausfallen. Die jüngste Entwicklung stützt diese Sichtweise erneut.

Gleichzeitig mahnen Experten zur Vorsicht. Die schnelle Entspannung bedeutet nicht, dass politische Risiken dauerhaft vom Tisch sind. Im Gegenteil: Die Märkte bleiben anfällig für neue Schlagzeilen. Schon kleinere Irritationen können ausreichen, um kurzfristige Ausschläge auszulösen. Vor diesem Hintergrund raten viele Strategen zu einer ausgewogenen Herangehensweise. Absicherung und Risikomanagement bleiben zentrale Themen, auch wenn die Grundstimmung zuletzt wieder freundlicher wurde.

Zum Ende der Woche rückt zudem ein weiteres geopolitisches Thema stärker in den Fokus. Die diplomatischen Bemühungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine gewinnen an Dynamik. Erstmals seit längerer Zeit sind offizielle Gespräche zwischen Vertretern der Ukraine und Russlands angekündigt, vermittelt durch die Vereinigten Staaten. Als Treffpunkt wurde Abu Dhabi gewählt. Marktteilnehmer verfolgen diese Entwicklung aufmerksam, da Fortschritte auf diplomatischer Ebene das geopolitische Risiko in Europa langfristig reduzieren könnten.

Allerdings ist die Erwartungshaltung gedämpft. Viele Investoren rechnen nicht mit schnellen Durchbrüchen, sondern eher mit einem langwierigen Prozess. Dennoch wird bereits die Wiederaufnahme direkter Gespräche als positives Signal gewertet. Sollte es hier zu konkreten Annäherungen kommen, könnte dies mittelfristig auch die Risikobereitschaft an den Aktienmärkten stützen.

Für den Freitag selbst spricht jedoch vieles für einen ruhigen Handel. Nach den starken Bewegungen der vergangenen Tage dürften sich viele Marktteilnehmer zurückhalten und das Wochenende abwarten. Neue Konjunkturdaten oder Unternehmensnachrichten von größerer Tragweite stehen nicht im Fokus. Damit fehlt es an unmittelbaren Impulsen, die den DAX deutlich aus seiner aktuellen Spanne herausführen könnten.

Unterm Strich bleibt das Bild konstruktiv, aber vorsichtig. Der Markt hat gezeigt, dass er politische Schocks verkraften kann, solange diese nicht in konkrete wirtschaftliche Belastungen münden. Gleichzeitig ist das Umfeld fragil. Anleger bewegen sich weiterhin auf einem schmalen Grat zwischen Zuversicht und Vorsicht. Der Freitag dürfte daher weniger von großen Kursbewegungen geprägt sein, sondern vielmehr von Stabilisierung und Orientierung.

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