Deutsche Bank setzt stärker auf KI und Digitalisierung – Filialnetz schrumpft weiter
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26.01.2026

Deutsche Bank setzt stärker auf KI und Digitalisierung – Filialnetz schrumpft weiter

Die Deutsche Bank treibt den Umbau ihres Privatkundengeschäfts weiter voran. Künstliche Intelligenz, digitale Beratung und eine stärkere Nutzung der App sollen Prozesse vereinfachen und Kosten senken. Gleichzeitig wird das Filialnetz weiter ausgedünnt. Für Anleger der Deutsche Bank Aktie, für Kunden sowie für den gesamten Bankensektor markiert diese Entwicklung einen weiteren Schritt in Richtung eines grundlegend veränderten Geschäftsmodells.

Mehr Zeit für Beratung statt Verwaltung

Ein zentrales Ziel der Umstrukturierung ist es, Beraterinnen und Berater von administrativen Aufgaben zu entlasten. Standardprozesse wie Überweisungen, Kartenverwaltung oder einfache Serviceanfragen sollen konsequent auf digitale Kanäle verlagert werden. Dadurch soll in den Filialen mehr Zeit für hochwertige Beratung entstehen.

Die Herausforderung bestehe darin, Verwaltungsaufgaben so weit wie möglich zu automatisieren, um Freiräume für persönliche Gespräche zu schaffen. Gerade bei komplexen Finanzentscheidungen wie Immobilienkäufen, Vermögensaufbau oder Altersvorsorge wünschen viele Kunden weiterhin den direkten Austausch mit einem Menschen. Die Filiale soll sich daher vom Ort des Alltagsgeschäfts zu einem Beratungszentrum für wichtige Lebensentscheidungen entwickeln.

Für die Deutsche Bank ist dieser Ansatz auch wirtschaftlich relevant. Hochwertige Beratung ist margenstärker als klassische Serviceleistungen. Indem Routineaufgaben digitalisiert werden, kann die Bank ihre personellen Ressourcen gezielter einsetzen und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit erhöhen.

Bis 2026 sollen rund 100 weitere Filialen schließen

Bis Ende 2026 plant die Deutsche Bank im Rahmen bereits laufender Programme den Abbau von rund 100 weiteren Standorten in Deutschland. Der Rückzug aus der Fläche ist dabei keine neue Entwicklung, sondern Teil einer langfristigen Strategie. In den vergangenen Jahren wurden bereits zahlreiche Filialen geschlossen oder zusammengelegt. Ende des vergangenen Jahres verfügten Deutsche Bank und Postbank zusammen noch über rund 750 Zweigstellen in Deutschland.

Der Konzern begründet diesen Schritt vor allem mit veränderten Kundenbedürfnissen. Immer mehr Bankgeschäfte werden digital erledigt, klassische Services am Schalter verlieren an Bedeutung. Gleichzeitig verursacht jede Filiale hohe Fixkosten. Miete, Personal und Infrastruktur stehen zunehmend in keinem Verhältnis mehr zur tatsächlichen Nutzung. Für die Bank ist der weitere Abbau daher ein logischer Schritt, um effizienter zu werden und die Kostenbasis zu senken.

Gleichzeitig betont das Management, dass es nicht um einen vollständigen Rückzug aus der persönlichen Beratung geht. Vielmehr sollen die verbleibenden Filialen gezielter eingesetzt werden und eine andere Rolle einnehmen als früher.

KI-Assistent soll Kundenservice grundlegend verändern

Ein zentraler Baustein der Digitalstrategie ist der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Kundenservice. Die Deutsche Bank arbeitet derzeit an einem digitalen Agenten, einer KI-gestützten Assistenz, die Kunden durch die App begleitet. Dieser digitale Assistent soll in der zweiten Jahreshälfte eingeführt werden.

Zunächst ist geplant, dass der KI-Assistent grundlegende Funktionen übernimmt. Er soll Kunden erklären, wie sie die App nutzen, und Schritt für Schritt durch einzelne Prozesse führen. Nutzer können dem digitalen Butler Fragen stellen, etwa zu Überweisungen, Kartenfunktionen oder Kontoeinstellungen. Die KI reagiert darauf mit verständlichen Anleitungen und konkreten Handlungsschritten.

Langfristig soll der digitale Assistent ein breites Spektrum an Standardanfragen abdecken, vom Zahlungsverkehr über Kreditkarten bis hin zu alltäglichen Servicefragen. Ziel ist es, den Kundenservice schneller, rund um die Uhr verfügbar und gleichzeitig kosteneffizienter zu machen. Für viele Kunden bedeutet das kürzere Wartezeiten und eine unkompliziertere Abwicklung einfacher Anliegen.

App-Nutzung wächst, Potenzial bleibt enorm

Die Deutsche Bank konnte die Nutzung ihrer App in den vergangenen 18 Monaten bereits deutlich steigern. Nach Konzernangaben legten die Nutzungszahlen um knapp 20 Prozent zu. Das Management sieht darin jedoch nur einen Zwischenschritt. Denn zusammen zählen Deutsche Bank und Postbank rund 19 Millionen Privatkunden in Deutschland.

Ein erheblicher Teil dieser Kunden nutzt die App bislang entweder gar nicht oder nur eingeschränkt. Genau hier setzt die aktuelle Strategie an. So viele Kunden wie möglich sollen für die App begeistert werden. Der digitale Assistent spielt dabei eine Schlüsselrolle, da er Einstiegshürden senken und Unsicherheiten abbauen soll, insbesondere bei weniger technikaffinen Kunden.

Für die Bank ist eine hohe App-Nutzung aus mehreren Gründen entscheidend. Digitale Kunden verursachen geringere Kosten, nutzen häufiger zusätzliche Produkte und lassen sich gezielter ansprechen. Zudem entstehen wertvolle Daten, die helfen, Angebote besser auf individuelle Bedürfnisse zuzuschneiden.

Warum Filialen trotzdem nicht verschwinden

Trotz aller Digitalisierungsambitionen will die Deutsche Bank nicht vollständig auf Filialen verzichten. Gerade bei großen finanziellen Entscheidungen wünschen viele Kunden weiterhin persönliche Beratung, entweder im direkten Gespräch oder per Video. Es geht dabei nicht nur um fachliche Kompetenz, sondern auch um Vertrauen.

Die Filiale erfüllt aus Sicht des Managements eine emotionale Funktion. Kunden möchten sicher sein, dass zentrale Entscheidungen ihres Lebens nicht ausschließlich in einer abstrakten digitalen Umgebung stattfinden. Die physische Präsenz der Bank vermittelt Stabilität und Verlässlichkeit, Werte, die im Finanzbereich nach wie vor eine große Rolle spielen.

Künftig sollen Filialen daher weniger, aber gezielter eingesetzt werden. Sie werden zu Orten für Beratung, Beziehungspflege und komplexe Anliegen, während der digitale Kanal den Alltag abdeckt.

Der Umbau bleibt jedoch nicht ohne Konsequenzen für die Beschäftigten. Die Deutsche Bank rechnet damit, dass der verstärkte digitale Ansatz langfristig zu einem geringeren Personalbedarf im Privatkundengeschäft führen wird. Viele Aufgaben, die heute noch manuell erledigt werden, sollen künftig automatisiert ablaufen.

Dabei setzt der Konzern vor allem auf natürliche Fluktuation. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den Ruhestand gehen oder das Unternehmen aus anderen Gründen verlassen, sollen in vielen Fällen nicht ersetzt werden. Auf betriebsbedingte Kündigungen will die Bank nach Möglichkeit verzichten.

Für Anleger ist dieser Aspekt nicht unwichtig. Ein sinkender Personalaufwand kann die Profitabilität verbessern und die Effizienz steigern. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung, den Wandel sozialverträglich zu gestalten und die Qualität der Beratung aufrechtzuerhalten.

Ein Umbau mit Signalwirkung für den Bankensektor

Der eingeschlagene Kurs der Deutschen Bank steht exemplarisch für die Entwicklung der gesamten Branche. Filialabbau, KI im Kundenservice und eine stärkere Fokussierung auf digitale Kanäle sind längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität. Für die Deutsche Bank Aktie bedeutet dies vor allem eines: Der Konzern versucht, sein Geschäftsmodell nachhaltiger, effizienter und wettbewerbsfähiger zu machen.

Ob dieser Spagat zwischen Digitalisierung, Kostensenkung und persönlicher Beratung gelingt, wird entscheidend dafür sein, wie Kunden und Investoren die Bank in den kommenden Jahren bewerten.

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