Edelmetalle und Industriemetalle dominieren 2025 – warum Gold, Silber und Kupfer auch 2026 im Fokus bleiben
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20.01.2026

Edelmetalle und Industriemetalle dominieren 2025 – warum Gold, Silber und Kupfer auch 2026 im Fokus bleiben

Das Jahr 2025 war für Rohstoffanleger außergewöhnlich. Gold, Silber und Kupfer erzielten zweistellige, teils sogar extreme Wertzuwächse und ließen viele Aktienmärkte klar hinter sich. Während Technologieaktien im Umfeld des KI Booms zwar gefragt blieben, entwickelten sich die Metalle zu einem stabilisierenden Gegengewicht in vielen Portfolios. Mit Blick auf 2026 stellt sich nun die zentrale Frage, ob dieser Höhenflug anhalten kann oder ob eine Phase der Konsolidierung bevorsteht.

Rückblick: Warum 2025 ein Ausnahmejahr für Metalle war

Im vergangenen Jahr rückten Rohstoffe verstärkt in den Fokus, nicht zuletzt wegen der wirtschafts und handelspolitischen Unsicherheiten. Die Zollpolitik von Donald Trump sorgte für Nervosität an den Märkten und erhöhte die Nachfrage nach realen Sachwerten. Gold erfüllte dabei einmal mehr seine klassische Rolle als Absicherung in unsicheren Zeiten, während Silber und Kupfer zusätzlich vom massiven Ausbau von KI Infrastruktur profitierten.

Silber entwickelte sich 2025 zum klaren Spitzenreiter. Der Preis sprang um beeindruckende 147 Prozent nach oben und beendete das Jahr bei rund 71 US Dollar je Feinunze. Besonders zum Jahresende beschleunigte sich der Anstieg deutlich. Silber profitiert dabei von einer Doppelrolle. Einerseits ist es ein Edelmetall mit Schutzfunktion, andererseits ein Industriemetall, das in Bereichen wie Halbleiterfertigung, Robotik, Solartechnik und modernen Chips unverzichtbar ist.

Auch Gold blickt auf ein historisches Jahr zurück. Der Preis stieg um mehr als 64 Prozent auf rund 4.315 US Dollar je Feinunze. Damit verzeichnete das Edelmetall den stärksten Jahresanstieg seit Ende der 1970er Jahre. In Phasen geopolitischer Spannungen, wachsender Staatsverschuldung und geldpolitischer Unsicherheit bleibt Gold für viele Investoren ein Anker im Portfolio.

Kupfer komplettierte das starke Trio. Mit einem Plus von rund 44 Prozent auf mehr als 12.500 US Dollar je Tonne profitierte das Metall vor allem vom strukturellen Wandel der Wirtschaft. Kupfer ist essenziell für Stromnetze, Rechenzentren, Elektromobilität und erneuerbare Energien. Der weltweite Ausbau von Datenzentren für Künstliche Intelligenz treibt den Bedarf zusätzlich an.

Zum Vergleich: Der US Leitindex S&P 500 legte im selben Zeitraum lediglich rund 16 Prozent zu. Damit stellten die Rohstoffe die Performance klassischer Aktien deutlich in den Schatten.

Charttechnik liefert Hinweise für 2026

Ein Blick auf die technische Analyse liefert Argumente für eine Fortsetzung des Trends. Wie Marktbeobachter unter anderem bei MarketWatch hervorheben, konnten sich Gold und Silber über einen ungewöhnlich langen Zeitraum oberhalb ihres 50 Tage gleitenden Durchschnitts halten. Bis Ende Dezember 2025 waren es rund 93 Handelstage. Historisch betrachtet ist dies selten. Beim Goldpreis trat dieses Muster seit Anfang der 1990er Jahre nur wenige Male auf, bei Silber sogar noch seltener.

Der Experte Sameer Samana vom Wells Fargo Investment Institute sieht darin ein Zeichen klarer Nachfrageüberlegenheit. Wenn sich Preise so lange über wichtigen Durchschnittslinien halten, deutet dies auf deutlich mehr Käufer als Verkäufer hin. Eine solche Konstellation galt in der Vergangenheit häufig als bullisches Signal für die folgenden Monate.

Beim Kupfer fiel die Phase oberhalb des 50 Tage Durchschnitts kürzer aus. Historisch gesehen ist das jedoch nicht ungewöhnlich. Interessanterweise verzeichnete Kupfer nach vergleichbaren Phasen oft mit Verzögerung seine stärksten Zugewinne, insbesondere innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten nach der technischen Stabilisierung.

Fundamentale Treiber bleiben intakt

Neben der Charttechnik sprechen auch fundamentale Faktoren für eine anhaltende Stärke der Metalle. Gold zeigte sich selbst in turbulenten Marktphasen widerstandsfähig. Während andere Anlageklassen im Frühjahr 2025 deutlich unter Druck gerieten, hielt sich das Edelmetall vergleichsweise stabil. Für viele Anleger bestätigt dies den Status von Gold als bevorzugte Absicherung bei Marktstress.

Ein weiterer Faktor ist die Inflationsfrage. Trotz rückläufiger Teuerungsraten bleibt Unsicherheit darüber, ob die Inflation dauerhaft gebändigt werden kann. Steuererleichterungen, staatliche Ausgabenprogramme und der massive Ausbau von KI Infrastruktur könnten die Wirtschaft erneut anheizen. In einem solchen Umfeld behalten Sachwerte wie Gold ihre Attraktivität.

Silber und Kupfer profitieren zusätzlich vom industriellen Bedarf. Der Ausbau von Datenzentren erfordert enorme Mengen an Metall. Kupfer wird für Verkabelung und Stromübertragung benötigt, Silber steckt in zahlreichen Chips und elektronischen Bauteilen. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien erhöht die Nachfrage nach beiden Metallen spürbar.

Risiken und mögliche Bremsfaktoren

Trotz der positiven Argumente ist Vorsicht geboten. Nach einem derart starken Jahr sind zwischenzeitliche Rücksetzer nicht auszuschließen. Gewinnmitnahmen, eine stärkere US Währung oder ein unerwartet schneller Rückgang der Inflation könnten den Preisanstieg bremsen. Zudem reagieren Industriemetalle sensibel auf Konjunktursignale. Sollte sich das globale Wachstum stärker abkühlen, könnte dies insbesondere Kupfer temporär belasten.

Dennoch sehen viele Marktbeobachter die Ausgangslage für 2026 insgesamt konstruktiv. Die strukturellen Trends rund um Digitalisierung, Energiewende und geopolitische Unsicherheit sprechen dafür, dass Metalle weiterhin eine wichtige Rolle in der Vermögensallokation spielen.

Ausblick: Bleiben Rohstoffe der geheime Gewinner?

Gold, Silber und Kupfer haben 2025 eindrucksvoll bewiesen, dass sie mehr sind als bloße Absicherungsinstrumente. Sie entwickelten sich zu echten Renditetreibern. Für 2026 deuten sowohl technische als auch fundamentale Faktoren darauf hin, dass der übergeordnete Trend intakt bleiben könnte. Zwar dürfte die Volatilität hoch bleiben, doch gerade in einem Umfeld politischer Unsicherheit, hoher Investitionen in Technologie und anhaltender Nachfrage nach realen Werten behalten Metalle ihre Bedeutung.

Für Anleger bedeutet das nicht zwangsläufig, blind auf weiter steigende Preise zu setzen. Vielmehr unterstreicht die Entwicklung die Rolle von Gold, Silber und Kupfer als strategische Bausteine im Portfolio. Ob der Höhenflug nahtlos weitergeht oder von Korrekturen begleitet wird, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass die Metalle auch 2026 zu den spannendsten Anlageklassen zählen dürften.

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