Gold erreicht neues Rekordniveau und wird zum Fluchtpunkt der Anleger
Der Goldmarkt hat zu Wochenbeginn ein neues historisches Kapitel aufgeschlagen. Der Preis für das Edelmetall kletterte in der Nacht auf Montag zeitweise auf fast 4.600 US Dollar je Feinunze und markierte damit ein neues Allzeithoch. Auch wenn dieses Niveau nicht vollständig gehalten werden konnte, blieb Gold am Morgen mit rund 4.578 US Dollar deutlich im Plus. Die Bewegung unterstreicht, wie stark geopolitische Spannungen und geldpolitische Unsicherheiten derzeit die Nachfrage nach sicheren Anlagen antreiben.
Sollte der Tagesgewinn bis zum Handelsschluss Bestand haben, wäre es für Gold bereits der sechste positive Handelstag in den ersten sieben Börsentagen des neuen Jahres. Damit summiert sich das Jahresplus inzwischen auf rund sechs Prozent. Bereits im vergangenen Jahr gehörte Gold zu den gefragtesten Anlageklassen. Der Preis war um rund 65 Prozent gestiegen und verzeichnete damit den stärksten Jahresanstieg seit dem Ende der siebziger Jahre. Diese Dynamik setzt sich nun mit unverminderter Kraft fort.
Noch extremer fiel zuletzt die Entwicklung beim Silber aus. Das Edelmetall hatte im vergangenen Jahr einen Preissprung von fast 150 Prozent verzeichnet. Auch zum Wochenauftakt zeigte sich Silber stark. Der Preis für eine Unze legte um rund viereinhalb Prozent auf 83,45 US Dollar zu und näherte sich damit erneut dem Rekordhoch von Ende 2025. Händler sprechen von einer breiten Flucht in Sachwerte, die nicht nur Gold, sondern auch Silber erfasst hat.
Als Haupttreiber der aktuellen Bewegung gilt die eskalierende Lage im Iran. Dort haben sich Massenproteste gegen die autoritäre Staatsführung ausgeweitet. Die politische Unsicherheit in der Region sorgt an den Finanzmärkten für Nervosität und erhöht die Nachfrage nach klassischen Krisenwährungen. Gold profitiert traditionell von solchen Situationen, da es als wertstabil und unabhängig von einzelnen Staaten gilt.
Zusätzlich rückt die geldpolitische Lage in den Vereinigten Staaten verstärkt in den Fokus. Anleger reagieren sensibel auf Anzeichen, dass die Unabhängigkeit der Federal Reserve unter Druck geraten könnte. Der Konflikt zwischen US Präsident Donald Trump und Fed Chef Jerome Powell hat sich zuletzt deutlich verschärft. Powell wies Vorwürfe im Zusammenhang mit der Sanierung von Fed Gebäuden in Washington zurück und sprach von einem Versuch politischer Einflussnahme auf die Geldpolitik.
Nach Angaben Powells habe das US Justizministerium der Notenbank Vorladungen zugestellt und mit einer Anklage gedroht. Der Fed Chef sieht darin keinen sachlichen Vorgang, sondern eine politische Eskalation. Seiner Einschätzung nach gehe es im Kern darum, ob die Geldpolitik weiterhin auf wirtschaftlichen Fakten basiert oder ob politischer Druck künftig eine größere Rolle spielen soll. Solche Aussagen verstärken an den Märkten die Sorge, dass geldpolitische Entscheidungen an Glaubwürdigkeit verlieren könnten.
Parallel dazu erhöht Trump den politischen Druck auf Teheran. Angesichts der anhaltenden Proteste erklärte er, der Iran sei zu Gesprächen bereit. Ein mögliches Treffen werde vorbereitet, sagte er vor Journalisten an Bord der Air Force One. Gleichzeitig ließ Trump offen, ob die USA angesichts der Entwicklungen im Iran nicht schon vorher handeln müssten. Diese Mischung aus Gesprächsangeboten und Drohungen trägt zusätzlich zur Unsicherheit bei.
Besondere Aufmerksamkeit erregte zudem Trumps Ankündigung, die Demonstranten im Iran möglicherweise mit Satelliteninternet zu unterstützen. In diesem Zusammenhang wollte er Kontakt mit Elon Musk aufnehmen, dessen Unternehmen SpaceX den Dienst Starlink betreibt. Die iranische Staatsführung hat den Internetzugang im Land weitgehend blockiert, um die Kommunikation der Protestierenden zu unterbinden und die Verbreitung von Bildern und Berichten einzuschränken.
Diese Kombination aus geopolitischer Eskalation und geldpolitischer Unsicherheit sorgt für ein Umfeld, in dem Gold seine Rolle als sicherer Hafen erneut eindrucksvoll ausspielt. Händler berichten von anhaltenden Zuflüssen in physisches Gold sowie in börsengehandelte Produkte, die den Goldpreis abbilden. Auch institutionelle Investoren scheinen ihre Engagements auszubauen, um Portfolios gegen politische und wirtschaftliche Risiken abzusichern.
Aus charttechnischer Sicht hat der Ausbruch auf ein neues Allzeithoch zusätzliche Kaufsignale ausgelöst. Viele Marktteilnehmer sehen nun weiteres Aufwärtspotenzial, solange die Unsicherheiten anhalten. Gleichzeitig warnen einige Experten vor kurzfristigen Rücksetzern, sollte sich die Lage im Iran entspannen oder der Konflikt zwischen US Regierung und Notenbank an Schärfe verlieren. Dennoch bleibt der übergeordnete Trend klar aufwärtsgerichtet.
Der Blick auf Silber zeigt zudem, dass die Bewegung nicht auf Gold beschränkt ist. Silber profitiert zusätzlich von seiner industriellen Bedeutung, insbesondere in Bereichen wie Elektronik und Energietechnik. Die Kombination aus Investmentnachfrage und strukturellem Bedarf verstärkt die Preisdynamik. Dass Silber nur noch knapp unter seinem Rekordhoch notiert, unterstreicht die Breite der aktuellen Edelmetallrally.
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