Goldpreis durchbricht historische Marke von 5.000 US-Dollar
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26.01.2026

Goldpreis durchbricht historische Marke von 5.000 US-Dollar

Der Goldmarkt hat ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erstmals in der Geschichte ist der Preis für eine Feinunze Gold deutlich über die Marke von 5.000 US-Dollar gestiegen. An der Metallbörse in London kletterte der Kurs im frühen Handel zeitweise bis auf 5.093 US-Dollar. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits im vergangenen Jahr begonnen hatte und sich zu Beginn des neuen Jahres nochmals spürbar beschleunigt hat. Gold etabliert sich zunehmend als globaler Stabilitätsanker in einer Phase wachsender politischer, wirtschaftlicher und geldpolitischer Unsicherheit.

Allein in den ersten Wochen des Jahres legte der Goldpreis um rund 18 Prozent zu. Bereits 2025 hatte das Edelmetall mit einem Jahresplus von rund 65 Prozent für Aufsehen gesorgt. Ein derart starker Anstieg wurde zuletzt Ende der 1970er-Jahre beobachtet. Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit der aktuellen Bewegung: Während der Anstieg von 1.000 auf 2.000 US-Dollar pro Unze rund zehn Jahre dauerte, wurden die nächsten 2.000 Dollar innerhalb von gut zwei Jahren überwunden.

Notenbanken kaufen so viel Gold wie seit Jahrzehnten nicht

Ein weiterer zentraler Faktor für den Preisanstieg sind die massiven Goldkäufe der Zentralbanken. Vor allem Notenbanken aus Schwellenländern haben ihre Reserven in den vergangenen Jahren deutlich aufgestockt. Ziel ist es, die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren und die Währungsreserven breiter aufzustellen.

Nach Schätzungen internationaler Marktbeobachter haben Zentralbanken im Jahr 2025 weltweit rund 900 Tonnen Gold erworben. Dieser Trend setzt sich auch 2026 fort. Besonders aktiv zeigen sich Länder wie China, Indien und mehrere Staaten aus dem Nahen Osten. Gold wird dort zunehmend als strategischer Baustein der nationalen Finanzstabilität betrachtet.

Auch westliche Notenbanken verfolgen diese Entwicklung aufmerksam. Der steigende Goldanteil in den globalen Reserven gilt vielen Experten als langfristiger struktureller Preistreiber, der unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen wirkt.

Geopolitische Spannungen treiben die Nachfrage nach Gold

Ein wesentlicher Preistreiber bleibt die weltpolitische Lage. Mehrere Konfliktherde sorgen dafür, dass Investoren verstärkt nach Sicherheit suchen. Die Situation im Iran, zunehmende Spannungen im Nahen Osten sowie Unsicherheiten im Verhältnis zwischen den USA, Europa und China belasten die Finanzmärkte. Hinzu kommen handelspolitische Risiken, die zuletzt durch zeitweise angekündigte Zölle der US-Regierung auf europäische Staaten erneut in den Fokus gerückt sind.

Gold profitiert in solchen Phasen traditionell von seinem Ruf als krisenfeste Anlage. Anders als Aktien oder Unternehmensanleihen ist das Edelmetall nicht von der Ertragskraft einzelner Unternehmen abhängig. Auch staatliche Schulden, politische Entscheidungen oder Zahlungsausfälle einzelner Länder wirken sich nicht unmittelbar auf seinen inneren Wert aus. Diese Eigenschaft macht Gold in unsicheren Zeiten besonders attraktiv.

Zinspolitik und Fed-Debatte verstärken den Aufwärtsdruck

Zusätzlichen Rückenwind erhält der Goldpreis durch die Geldpolitik. Die Aussicht auf sinkende Zinsen in den USA macht festverzinsliche Anlagen weniger attraktiv. Da Gold selbst keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden abwirft, steigt seine relative Attraktivität in einem Umfeld niedriger oder fallender Zinsen.

Zudem sorgen Diskussionen über die Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve für Verunsicherung. Wiederholte öffentliche Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf Fed-Chef Jerome Powell haben bei Marktteilnehmern Zweifel geweckt, ob geldpolitische Entscheidungen künftig frei von politischem Druck bleiben. Für viele Investoren ist auch das ein Argument, einen Teil ihres Vermögens in Gold umzuschichten.

Silber und Industriemetalle profitieren mit

Nicht nur Gold steht im Fokus. Auch Silber verzeichnete zuletzt einen historischen Meilenstein und überschritt erstmals die Marke von 100 US-Dollar je Feinunze. Silber profitiert dabei doppelt: Einerseits gilt es ebenfalls als Absicherung in Krisenzeiten, andererseits ist es ein bedeutendes Industriemetall.

In Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Robotik, erneuerbare Energien und Elektromobilität spielt Silber eine zentrale Rolle. Der wachsende Bedarf an Hochleistungs-Chips, Sensoren und elektrischen Leitern sorgt für zusätzliche Nachfrage. Ähnliches gilt für Kupfer, das für Stromnetze, Rechenzentren und Infrastrukturprojekte unverzichtbar ist.

Einschätzungen von Banken bleiben überwiegend positiv

Mehrere große Investmentbanken halten trotz der starken Rally weitere Kurssteigerungen für möglich. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Prognose für den Goldpreis bis Ende 2026 zuletzt von 4.900 auf 5.400 US-Dollar je Feinunze angehoben. Begründet wird dies mit anhaltenden Zentralbankkäufen, geopolitischen Risiken und einer lockeren Geldpolitik.

Auch andere Marktbeobachter sehen Gold weiterhin als strategische Absicherung gegen Inflation, Währungsabwertung und politische Unsicherheiten. Kurzfristige Rücksetzer werden dabei nicht ausgeschlossen, gelten jedoch eher als technische Korrekturen innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends.

Gold als langfristige Beimischung für Anleger

Für Privatanleger bleibt Gold vor allem eine langfristige Absicherung. Es eignet sich weniger für kurzfristige Spekulationen, sondern eher als stabilisierender Bestandteil eines ausgewogenen Portfolios. Die deutsche Verbraucherorganisation Stiftung Warentest empfiehlt, rund zehn Prozent des Gesamtvermögens in Gold zu halten.

Wichtig ist dabei, nur Kapital zu investieren, auf das langfristig verzichtet werden kann. Goldpreise können schwanken, doch über Jahrzehnte hinweg hat das Edelmetall seine Kaufkraft weitgehend bewahrt.

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