Historischer Schritt bei Ericsson: Milliardenrückkauf sorgt für Kursfantasie
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24.01.2026

Historischer Schritt bei Ericsson: Milliardenrückkauf sorgt für Kursfantasie

Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson sorgt zu Beginn des Jahres für ein starkes Signal an die Kapitalmärkte. Nach einem überraschend guten Schlussquartal kündigte das Unternehmen erstmals in seiner Unternehmensgeschichte ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm an. Dieser Schritt markiert einen strategischen Wendepunkt nach mehreren Jahren, die von Restrukturierungen, Stellenabbau und einer schwachen Investitionsbereitschaft der Telekommunikationsbranche geprägt waren. Anleger werten die Ankündigung als Zeichen dafür, dass Ericsson den operativen Tiefpunkt hinter sich gelassen haben könnte und wieder über ausreichend finanzielle Stärke verfügt, um Kapital gezielt an Aktionäre zurückzugeben.

Aktienrückkauf über Milliarden und steigende Dividende stärken Vertrauen

Konkret plant Ericsson, eigene Aktien im Umfang von 15 Milliarden schwedischen Kronen zurückzukaufen, was rund 1,4 Milliarden Euro entspricht. Das Programm soll nach der Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal starten und sich bis ins Jahr 2027 erstrecken. Ergänzend dazu will der Konzern die Dividende auf drei Kronen je Aktie anheben, nachdem im Vorjahr noch 2,85 Kronen ausgeschüttet worden waren. Diese Maßnahmen senden ein klares Signal an Investoren: Ericsson sieht sich finanziell gut aufgestellt und traut sich zu, auch in einem weiterhin anspruchsvollen Marktumfeld nachhaltig Mittel zu erwirtschaften. Entsprechend kräftig fiel die Reaktion an der Börse aus, wo die Aktie in Stockholm zeitweise um mehr als acht Prozent zulegen konnte.

Überraschend starkes Schlussquartal liefert die Basis für den Kurswechsel

Die Grundlage für diesen historischen Schritt lieferte vor allem die operative Entwicklung im vierten Quartal. Ericsson erzielte ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern ohne Restrukturierungskosten von über zwölf Milliarden Kronen und übertraf damit die Erwartungen der Analysten deutlich. Auch auf der Umsatzseite schnitt der Konzern besser ab als prognostiziert. Ausschlaggebend dafür waren konsequente Kostensenkungen sowie der Verkauf der US-Tochter Iconectiv, der zusätzliche Liquidität in die Kasse spülte. Diese Kombination aus operativer Verbesserung und Bilanzstärkung verschaffte Ericsson den notwendigen Spielraum, um erstmals ein großvolumiges Aktienrückkaufprogramm aufzulegen.

Tiefgreifender Umbau zahlt sich in schwierigem 5G-Markt aus

Ericsson befindet sich seit Jahren in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Angesichts der zurückhaltenden Investitionen vieler Telekommunikationsanbieter in den 5G-Ausbau sah sich der Konzern gezwungen, seine Kostenstruktur deutlich zu verschlanken. Stellenabbau, Effizienzprogramme und eine stärkere Fokussierung auf margenstärkere Geschäftsbereiche prägten die Strategie. Trotz des weiterhin schwierigen Branchenumfelds zeigen die aktuellen Zahlen, dass diese Maßnahmen Wirkung entfalten. Ericsson gelingt es zunehmend, seine Profitabilität zu stabilisieren und sich unabhängiger von kurzfristigen Investitionszyklen der Netzbetreiber zu machen.

EU-Regulierung könnte Ericsson mittelfristig zusätzlichen Rückenwind geben

Zusätzliche Wachstumsfantasie entsteht durch politische Entwicklungen in Europa. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, in kritischen Infrastrukturbereichen schrittweise auf Ausrüstung von als risikoreich eingestuften Anbietern zu verzichten. Auch wenn konkrete Auswirkungen noch schwer abzuschätzen sind, könnten westliche Netzwerkausrüster wie Ericsson langfristig profitieren, sollte sich dieser Kurs durchsetzen. Finanzchef Lars Sandström äußerte sich zwar vorsichtig, betonte jedoch, dass Ericsson bereit sei, entsprechende Marktchancen zu nutzen. Für Anleger ergibt sich damit ein Gesamtbild aus verbesserter operativer Stärke, aktiver Kapitalrückführung und möglichen strukturellen Vorteilen im europäischen Markt.

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