Kering unter Druck Gucci Krise belastet Umsatz und Gewinn deutlich
Börse Aktuell Finanzwissen von der Börse
10.02.2026

Kering unter Druck Gucci Krise belastet Umsatz und Gewinn deutlich

Der französische Luxusgüterkonzern Kering steht vor einer der größten Herausforderungen seiner jüngeren Unternehmensgeschichte. Die anhaltende Schwäche der Kernmarke Gucci hat im Geschäftsjahr 2025 deutliche Spuren in den Zahlen hinterlassen. Umsatz und Gewinn gingen spürbar zurück und auch die Profitabilität des Konzerns geriet stark unter Druck. Wie Kering am Dienstag mitteilte, schrumpfte der Umsatz auf vergleichbarer Basis im vergangenen Jahr um rund neun Prozent auf etwa 14,9 Milliarden EUR. Der Gewinn sank auf rund 1,74 Milliarden EUR und lag damit deutlich unter dem Vorjahresniveau. Besonders alarmierend für Investoren ist die Entwicklung der Gewinnmarge. Diese fiel auf knapp zwölf Prozent. Noch vor wenigen Jahren hatte Kering Margen von deutlich über zwanzig Prozent erzielt. Der neue Konzernchef Luca de Meo sprach offen von einem enttäuschenden Jahr. Die Entwicklung spiegele nicht das wahre Potenzial des Unternehmens wider. Für Anleger ist diese Einschätzung ein Hinweis darauf, dass tiefgreifende Veränderungen notwendig sind.

Gucci bleibt das größte Problemfeld im Konzern

Im Mittelpunkt der aktuellen Krise steht die wichtigste Marke des Konzerns. Gucci war über viele Jahre der Wachstumsmotor von Kering und trug zeitweise mehr als die Hälfte zum operativen Ergebnis bei. Doch diese Rolle hat die Marke in den vergangenen Jahren verloren. Allein im vierten Quartal 2025 ging der Umsatz von Gucci erneut um rund neun Prozent zurück. Es war bereits das zehnte Quartal in Folge mit rückläufigen Erlösen. Eine solche Serie ist selbst in der zyklischen Luxusbranche außergewöhnlich und unterstreicht die strukturellen Probleme der Marke. Die Ursachen reichen mehrere Jahre zurück. Als die Designs des langjährigen Kreativdirektors Alessandro Michele ab 2022 zunehmend an Strahlkraft verloren, sank die Nachfrage spürbar. Der Wechsel in der kreativen Führung konnte den Abwärtstrend bislang nicht stoppen. Stattdessen verloren viele Kollektionen an Relevanz bei jüngeren Zielgruppen.

Hohe Verschuldung rückt stärker in den Fokus

Neben der schwachen Umsatzentwicklung sorgt auch die finanzielle Struktur von Kering für wachsende Skepsis am Markt. In den vergangenen Jahren hatte der Konzern mehrere Zukäufe finanziert und gleichzeitig hohe Dividenden gezahlt. Das führte zu einer steigenden Verschuldung. In einem Umfeld sinkender Gewinne wird diese Verschuldung zunehmend kritisch betrachtet. Investoren fragen sich, wie viel finanziellen Spielraum Kering noch besitzt, um notwendige Investitionen in Markenaufbau Marketing und Restrukturierungen zu stemmen. Die rückläufige Ertragskraft verschärft dieses Problem zusätzlich. Sinkende Margen bedeuten weniger freie Mittel für strategische Maßnahmen. Genau hier liegt aktuell eine der größten Herausforderungen für das Management.

Analysten fordern klare strategische Neuausrichtung

Auch von Analystenseite wächst der Druck. Chiara Battistini von JPMorgan brachte es auf den Punkt. Es gehe nun darum, die Marken weltweit wieder begehrlich zu machen. Ohne eine klare Rückkehr zur Markenstärke sei eine nachhaltige Erholung kaum möglich. Besonders bei Gucci erwarten Marktbeobachter eine deutlichere Abgrenzung im Design und eine Rückbesinnung auf Kernwerte der Marke. Gleichzeitig müsse die Preisstrategie überdacht werden. In den vergangenen Jahren hatte Gucci die Preise stark erhöht, was die Nachfrage zusätzlich belastet haben könnte. Andere Marken können Schwäche nicht ausgleichen. Zwar verfügt Kering über ein breites Markenportfolio, doch bislang gelingt es den anderen Labels nicht, die Schwäche von Gucci vollständig zu kompensieren. Marken wie Bottega Veneta, Balenciaga und Yves Saint Laurent zeigen zwar stabilere Entwicklungen, erreichen aber nicht die frühere Ertragskraft von Gucci. Gerade Yves Saint Laurent konnte sich in einem schwierigen Marktumfeld vergleichsweise gut behaupten. Dennoch reicht dieses Wachstum nicht aus, um den massiven Ergebnisrückgang der Hauptmarke auszugleichen.

Die Aktie bleibt unter Beobachtung

An der Börse bleibt die Kering Aktie vorerst unter Druck. Investoren warten auf konkrete Maßnahmen und erste Erfolge der neuen Strategie. Solange sich bei Gucci keine klare Trendwende abzeichnet, dürfte das Vertrauen begrenzt bleiben. Gleichzeitig sehen einige langfristig orientierte Anleger Chancen. Sollte es Kering gelingen, die Marke Gucci neu zu positionieren und die Margen schrittweise zu stabilisieren, könnte die Aktie erhebliches Erholungspotenzial bieten. Fazit Schwierige Phase mit offenem Ausgang. Kering befindet sich in einer kritischen Übergangsphase. Die Zahlen für 2025 zeigen deutlich, wie stark der Konzern von seiner Kernmarke abhängt. Die Krise bei Gucci belastet Umsatz Gewinn und Margen erheblich. Ob der neue CEO Luca de Meo den Turnaround schafft, hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingt, die Marken wieder emotional aufzuladen und zugleich die finanzielle Basis zu stärken. Für Anleger bleibt Kering damit eine Aktie mit erhöhtem Risiko, aber auch mit langfristigem Erholungspotenzial.

Neuer CEO steht vor Mammutaufgabe

Mit Luca de Meo steht seit Kurzem ein neuer Konzernchef an der Spitze von Kering. Der Manager gilt als erfahrener Stratege mit Sanierungserfahrung aus der Automobilbranche. Seine Aufgabe bei Kering ist jedoch komplex. Er muss gleichzeitig die kreative Ausrichtung der Marken schärfen die Kostenstruktur verbessern und das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen. Dabei darf er die langfristige Positionierung der Luxusmarken nicht gefährden. Ein zu starker Sparkurs könnte die Markenidentität schwächen und den Turnaround verzögern. Der Luxusmarkt bleibt anspruchsvoll. Erschwerend kommt hinzu, dass sich das Umfeld für Luxusgüter insgesamt verändert hat. Nach Jahren starken Wachstums zeigen viele Märkte Ermüdungserscheinungen. Besonders in China und den USA reagieren Konsumenten sensibler auf Preissteigerungen. Gleichzeitig wächst der Wettbewerb im oberen Preissegment. Für Kering bedeutet das, dass eine einfache Rückkehr zu früheren Wachstumsraten unwahrscheinlich ist. Der Konzern muss sich stärker differenzieren und neue Impulse setzen, um wieder an Attraktivität zu gewinnen.

Hinweis und Haftungsausschluss
Dieser Text dient nur zur allgemeinen Information und ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanz-Produkten. Sämtliche Informationen und Artikel dienen nicht als Anlageberatung. Infos Unter übernimmt keinerlei Haftung für daraus entstehende Ansprüche.

Weitere Börsen Ticker Artikel