Militärische Eskalation in Südamerika sorgt für neue Unsicherheit an den Ölmärkten weltweit
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05.01.2026

Militärische Eskalation in Südamerika sorgt für neue Unsicherheit an den Ölmärkten weltweit

Die internationalen Ölmärkte sind mit spürbarer Nervosität in die neue Handelswoche gestartet. Nach einem schwachen Auftakt mit leichten Verlusten konnten sich die Preise zunächst stabilisieren, bevor sie im weiteren Verlauf wieder nachgaben. Auslöser für diese schwankende Entwicklung ist die jüngste militärische Intervention der USA in Venezuela, die an den Rohstoffbörsen für intensive Neubewertungen sorgt. Händler und Investoren versuchen derzeit abzuschätzen, welche Folgen das Ereignis kurzfristig und in den kommenden Monaten für Angebot, Nachfrage und geopolitische Stabilität haben könnte.

Zu Beginn des Handels hatten die Ölpreise zunächst deutlicher nachgegeben. Im weiteren Verlauf drehte die Stimmung jedoch kurzzeitig, bevor sich wieder ein moderater Abwärtsdruck durchsetzte. Am Montagmorgen lagen die Notierungen leicht unter dem Niveau vom Ende der Vorwoche. Diese Bewegung spiegelt die Unsicherheit wider, mit der Marktteilnehmer auf die neue politische Lage reagieren. Anders als bei früheren Konflikten blieb ein deutlicher Preissprung bislang aus, was vor allem mit der aktuellen Angebotslage zusammenhängt.

Die militärische Aktion selbst markiert einen außergewöhnlichen Einschnitt. In der Nacht auf Samstag führten US Streitkräfte gezielte Angriffe auf mehrere Einrichtungen in Venezuela durch. In deren Folge wurde der bisherige Machthaber des Landes festgesetzt und außer Landes gebracht. Nach offiziellen Angaben soll Donald Trump die Wiederbelebung der venezolanischen Ölindustrie als strategisches Ziel betrachten. Der festgenommene Präsident wird inzwischen in New York erwartet, wo ihm der Prozess gemacht werden soll. Die politische Dimension dieses Vorgangs ist enorm und geht weit über die Region hinaus.

Für den Ölmarkt ist Venezuela trotz seiner gewaltigen Reserven derzeit kein entscheidender Faktor. Zwar zählt das Land zu den rohstoffreichsten Nationen der Welt, doch jahrelange Misswirtschaft, fehlende Investitionen und eine stark beschädigte Infrastruktur haben die Förderleistung drastisch reduziert. Aktuell trägt Venezuela weniger als ein Prozent zur weltweiten täglichen Ölproduktion bei. Hinzu kommt, dass politische Sanktionen den Export zusätzlich einschränken. Viele Abnehmer haben sich längst anderen Lieferanten zugewandt.

Dennoch spielt das Land in den langfristigen Überlegungen der Investoren eine Rolle. Die US Regierung plant, große amerikanische Energiekonzerne in den Wiederaufbau der venezolanischen Förderanlagen einzubinden. Sollte dieses Vorhaben umgesetzt werden, könnte sich das Angebot mittelfristig spürbar erhöhen. Genau diese Perspektive dämpft derzeit die Preisfantasie an den Märkten. Händler rechnen nicht mit einem abrupten Angebotsausfall, sondern eher mit einem möglichen zusätzlichen Volumen in den kommenden Jahren.

Entsprechend reagierten auch die wichtigsten Referenzsorten verhalten. Ein Barrel der Nordseesorte Brent crude oil zur Lieferung im März notierte am Montagmorgen bei rund 60 US Dollar und damit leicht unter dem vorherigen Schlusskurs. Auch die US Referenzsorte WTI crude oil bewegte sich abwärts und fiel unter die Marke von 57 US Dollar je Barrel. Beide Sorten spiegeln damit die vorsichtige Haltung der Marktteilnehmer wider, die derzeit eher Risiken als Knappheit sehen.

Ein weiterer zentraler Einflussfaktor bleibt die globale Förderpolitik. Das erweiterte Ölkartell OPEC+, angeführt von Russland und Saudi Arabien, hatte im vergangenen Jahr seine Produktionsmengen schrittweise ausgeweitet. Diese Ausweitung trug maßgeblich dazu bei, dass die Ölpreise unter Druck gerieten. Um eine weitere Schwäche zu vermeiden, beschlossen die Förderländer, das Angebot im ersten Quartal zunächst nicht weiter anzuheben.

Diese Linie wurde am Wochenende erneut bestätigt. In einer kurzfristig einberufenen Videokonferenz erklärten Vertreter des Kartells, dass an der bestehenden Förderstrategie festgehalten werde. Die Situation in Venezuela spielte dabei offiziell keine Rolle. Obwohl das Land Mitglied der Organisation ist, wurde es aufgrund seiner geringen Produktionsleistung nicht als preisrelevant eingestuft. Diese Einschätzung verdeutlicht, wie stark sich die Kräfteverhältnisse im globalen Ölmarkt in den vergangenen Jahren verschoben haben.

Insgesamt zeigt sich, dass geopolitische Ereignisse zwar weiterhin Aufmerksamkeit erzeugen, ihre unmittelbare Wirkung auf die Preise jedoch stark vom tatsächlichen Einfluss auf Angebot und Nachfrage abhängt. Solange keine realen Produktionsausfälle drohen, reagieren die Märkte deutlich nüchterner als in früheren Jahrzehnten. Für Anleger bedeutet dies, dass neben politischen Schlagzeilen vor allem strukturelle Faktoren wie Fördermengen, Lagerbestände und globale Konjunkturaussichten im Fokus bleiben. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die Entwicklungen in Venezuela mehr sind als ein politisches Signal mit begrenzter Wirkung auf den Ölpreis.

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