Musk Milliardenklage erschüttert KI-Branche und bringt alten Machtkampf zurück ins Rampenlicht
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17.01.2026

Musk Milliardenklage erschüttert KI-Branche und bringt alten Machtkampf zurück ins Rampenlicht

Der Konflikt zwischen Tech Unternehmer Elon Musk und dem KI Unternehmen OpenAI erreicht eine neue Eskalationsstufe. In einem bereits seit 2024 laufenden Gerichtsverfahren fordert Musk nun eine Summe, die selbst für die Maßstäbe des Silicon Valley außergewöhnlich ist. Nach Angaben seiner Anwälte beläuft sich der geforderte Schadensersatz auf bis zu 109,4 Milliarden US Dollar. Grundlage dafür ist ein Gutachten eines von Musks Team beauftragten Experten, das nun in das Verfahren eingebracht wurde.

Im Kern geht es um die Frage, welchen wirtschaftlichen Anspruch Musk aus seiner Rolle als Mitgründer von OpenAI ableiten kann. Der Tesla und SpaceX Chef hatte OpenAI im Jahr 2015 gemeinsam mit mehreren weiteren Technologiegrößen ins Leben gerufen. Damals war das erklärte Ziel, Künstliche Intelligenz als gemeinnütziges Projekt zu entwickeln und ihre Ergebnisse der gesamten Menschheit zugutekommen zu lassen. Musk wirft dem Unternehmen nun vor, diesen ursprünglichen Ansatz verlassen zu haben und sich in ein kommerziell getriebenes Machtzentrum verwandelt zu haben.

Der von Musks Anwälten zitierte Sachverständige argumentiert, dass Musk in der Anfangsphase nicht nur Kapital, sondern auch erheblichen immateriellen Wert eingebracht habe. Neben direkten Finanzmitteln in Höhe von rund 38 Millionen US Dollar habe Musk sein Netzwerk, seine Reputation und seine strategischen Fähigkeiten zur Verfügung gestellt. Diese Leistungen seien entscheidend gewesen, um OpenAI in der Frühphase aufzubauen und als ernstzunehmenden Akteur im KI Umfeld zu etablieren. Daraus leite sich nach Ansicht des Experten ein Anspruch auf einen erheblichen Anteil am heutigen Unternehmenswert ab.

Die Bewertung von OpenAI spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Der Gutachter kommt zu dem Schluss, dass der aktuelle Wert des Unternehmens in einer Spanne zwischen 65,5 Milliarden und 109,43 Milliarden US Dollar liegen könnte. Innerhalb dieses Rahmens fordert Musk nach Darstellung seiner Anwälte eine entsprechende Entschädigung. Zusätzlich richtet sich ein Teil der Forderungen gegen Microsoft, den wichtigsten strategischen Partner und Großinvestor von OpenAI. Von dem Softwarekonzern verlangt Musk demnach weitere 13,3 bis 25,06 Milliarden US Dollar.

OpenAI weist die Forderungen entschieden zurück. In einer Stellungnahme gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg bezeichnete das Unternehmen die Ansprüche als unseriös und unbegründet. Aus Sicht von OpenAI habe Musk keinen Anspruch auf eine Beteiligung am heutigen Wert des Unternehmens. Zudem betont das Unternehmen, dass die Entwicklung hin zu einer stärker kommerziell geprägten Struktur notwendig gewesen sei, um die enormen Kosten für Forschung, Rechenleistung und Infrastruktur stemmen zu können.

Der Streit reicht jedoch weit über finanzielle Fragen hinaus. Musk wirft OpenAI vor, die ursprüngliche Gründungsvereinbarung verletzt zu haben. Das Unternehmen sei einst als nicht profitorientierte Organisation konzipiert worden, deren Forschungsergebnisse frei verfügbar sein sollten. Heute profitiere vor allem Microsoft von den Entwicklungen, etwa durch die Integration von KI Modellen in eigene Produkte. Aus Musks Sicht stellt dies einen klaren Bruch mit den ursprünglichen Zusagen dar.

OpenAI hält dagegen und zeichnet ein anderes Bild der Vergangenheit. Nach Darstellung des Unternehmens habe Musk selbst versucht, die Kontrolle über OpenAI zu erlangen. Er habe nicht nur den Chefposten angestrebt, sondern auch vorgeschlagen, OpenAI mit dem von ihm geführten Elektroautokonzern Tesla zu verschmelzen. Als sich dafür keine Mehrheit fand, habe Musk das Unternehmen 2018 im Streit verlassen. Die heutige Klage sei daher weniger von Prinzipien als von persönlichen und strategischen Motiven getrieben.

Ein weiterer Aspekt verleiht dem Rechtsstreit zusätzliche Brisanz. Musk ist mittlerweile selbst Konkurrent von OpenAI. Im Jahr 2023 gründete er das KI Unternehmen xAI, das mit dem Chatbot Grok direkt gegen ChatGPT antritt. OpenAI argumentiert, dass Musk mit seiner Klage versuche, einen Wettbewerber zu schwächen und sich im zunehmend umkämpften Markt für Künstliche Intelligenz Vorteile zu verschaffen.

Trotz dieser Vorwürfe hat das Gericht OpenAI und Microsoft einen Dämpfer verpasst. Ein Richter lehnte den Antrag der Unternehmen ab, die Klage abzuweisen. Damit ist der Weg frei für einen öffentlichen Prozess, der nach aktuellem Stand im April beginnen soll. Für die gesamte Tech Branche könnte dieses Verfahren weitreichende Folgen haben. Es geht nicht nur um eine gewaltige Geldsumme, sondern um Grundsatzfragen zur Kontrolle, Eigentümerschaft und Ausrichtung von KI Projekten.

Beobachter sehen in dem Fall ein Symbol für den Wandel der Technologiebranche. Viele der großen Innovationsprojekte der vergangenen Jahre starteten mit idealistischen Zielen, wurden aber im Laufe der Zeit zu milliardenschweren Geschäftsmodellen. Der Konflikt zwischen Musk und OpenAI steht exemplarisch für diese Entwicklung. Er wirft die Frage auf, wie verbindlich ursprüngliche Visionen sind, wenn wirtschaftliche Interessen und Marktzwänge an Bedeutung gewinnen.

Für OpenAI bedeutet der anstehende Prozess eine erhebliche Belastung. Neben dem finanziellen Risiko droht auch ein Reputationsschaden. Gleichzeitig könnte ein Urteil zugunsten des Unternehmens Klarheit schaffen und den eingeschlagenen Kurs rechtlich absichern. Für Musk wiederum steht viel auf dem Spiel, sowohl finanziell als auch in Bezug auf seinen Einfluss in der KI Welt. Ein Erfolg vor Gericht würde seine Position stärken, eine Niederlage könnte seine Argumentation nachhaltig schwächen.

Unabhängig vom Ausgang gilt schon jetzt: Der Rechtsstreit zwischen Elon Musk und OpenAI gehört zu den spektakulärsten Auseinandersetzungen der jüngeren Tech Geschichte. Er verbindet persönliche Rivalitäten, wirtschaftliche Interessen und grundlegende ethische Fragen rund um die Zukunft der Künstlichen Intelligenz. Der Prozess im Frühjahr dürfte daher nicht nur Juristen, sondern auch Investoren, Entwickler und politische Entscheidungsträger weltweit aufmerksam verfolgen.

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