PayPal-Aktie unter Druck: Analysten strafen enttäuschenden Ausblick massiv ab
Die jüngste Quartalsbilanz von PayPal hat an den Finanzmärkten für einen echten Schockmoment gesorgt. Nach der Veröffentlichung der Zahlen zum vierten Quartal brach die Aktie deutlich ein, begleitet von einer Welle negativer Analystenkommentare. Besonders schwer wiegt dabei nicht allein das verfehlte Ergebnis je Aktie, sondern vor allem der schwache Ausblick und die wachsenden Zweifel an der strategischen Durchsetzungsfähigkeit des Konzerns in seinem Kerngeschäft.
Branded Checkout stagniert – Warnsignal für das Kerngeschäft
Im Zentrum der Kritik steht das Segment Branded Checkout, das lange als Herzstück von PayPal galt. Während das Transaktionsvolumen in diesem Bereich im Vorjahr noch um sechs Prozent wuchs, fiel das währungsbereinigte Wachstum im abgelaufenen Quartal auf lediglich ein Prozent zurück. In einem Markt, der weiterhin strukturell wächst, ist diese Entwicklung für viele Analysten ein klares Alarmsignal.
Der Markt interpretiert diese Zahlen als Hinweis darauf, dass PayPal zunehmend Marktanteile an agilere Wettbewerber verliert. Besonders problematisch: Branded Checkout ist nicht nur ein Umsatztreiber, sondern auch ein wichtiger Hebel für Kundenbindung, Zusatzservices und Margenstabilität. Eine Stagnation in diesem Segment gefährdet somit gleich mehrere Säulen des Geschäftsmodells.
Macquarie: Schwächen bei Kernkunden und operativer Umsetzung
Deutlich wurde die Kritik in einer Analyse der australischen Investmentbank Macquarie, auf die sich Investing.com bezieht. Analyst Paul Golding sprach von einer „suboptimalen operativen Ausführung“ in einem ohnehin anspruchsvollen makroökonomischen Umfeld. Besonders kritisch sei der Verlust an Relevanz bei Konsumenten mit mittlerem Einkommen, einer Kernzielgruppe von PayPal.
Zusätzlich verwies Golding auf strukturelle Belastungen im US-Einzelhandel sowie auf eine spürbare Abkühlung in margenstarken Kategorien wie Reisebuchungen, Krypto-Transaktionen und Ticketing. Diese Faktoren hätten das vierte Quartal erheblich belastet und dürften auch kurzfristig keine schnelle Erholung ermöglichen.
BTIG: Marktanteilsverluste an Stripe und Adyen
BTIG: Marktanteilsverluste an Stripe und Adyen
Noch schärfer fiel das Urteil der Analysten von BTIG aus. Andrew Harte bezeichnete den Ausblick für das Geschäftsjahr 2026 als „sehr schlecht“ und deutlich unter den Erwartungen des Marktes. Besonders problematisch sei, dass PayPal sowohl im klassischen Markengeschäft als auch bei den sogenannten White-Label-Lösungen Terrain an Wettbewerber verliere.
Konkret nannte Harte Anbieter wie Stripe und Adyen, die bei Händlern als technologisch flexibler, schneller integrierbar und innovationsfreudiger gelten. Während PayPal lange von seiner starken Marke profitierte, scheint dieser Vorteil zunehmend zu erodieren. Die Bewertung der Aktie möge rechnerisch günstig erscheinen. Das Vertrauen der Investoren in eine nachhaltige operative Wende fehle jedoch.
Führungswechsel verschärft die Unsicherheit
Zusätzliche Unruhe brachte der angekündigte Führungswechsel. Der neue CEO Enrique Lores übernimmt das Unternehmen in einer Phase, die von strategischen Baustellen und wachsendem Wettbewerbsdruck geprägt ist. Interims-CEO Jamie Miller räumte laut Seeking Alpha offen ein, dass PayPal die Herausforderungen bei der Modernisierung der Händler-Erlebnisse unterschätzt habe. Auch das Ziel, das Zahlungsverhalten von rund 400 Millionen aktiven Nutzern spürbar zu verändern, habe sich als komplexer erwiesen als geplant.
Der Analyst Adam Frisch von Evercore ISI sieht Lores vor einer langwierigen und riskanten Neuausrichtung. Es sei offen, ob es gelinge, ein schlagkräftiges Payment-Team aufzubauen oder ob PayPal gezwungen sein werde, einzelne Geschäftsbereiche strategisch neu zu bewerten oder sogar abzuspalten.
Analysten senken Kursziele flächendeckend
Entsprechend negativ fiel das Analysten-Sentiment nach der Zahlenvorlage aus. Laut Daten von TipRanks kam es zu einer regelrechten Welle von Kurszielsenkungen. JPMorgan reduzierte sein Kursziel von 70 auf 46 US-Dollar, Evercore ISI senkte von 65 auf 40 US-Dollar. Auch Bank of America und TD Cowen nahmen deutliche Anpassungen vor.
Trotz der drastischen Kürzungen halten viele Häuser vorerst an neutralen Einstufungen fest. Eine Ausnahme bildet Macquarie mit einer weiterhin positiven Einschätzung und einem ambitionierten Kursziel von 100 US-Dollar. Eine Position, die derzeit allerdings eher isoliert wirkt.
Fazit: Vertrauenskrise statt kurzfristiger Delle
Die Reaktion auf die PayPal-Bilanz zeigt, dass es sich aus Sicht des Marktes nicht um eine kurzfristige Schwächephase handelt, sondern um eine Vertrauenskrise. Stagnierendes Wachstum im Kerngeschäft, operative Defizite, zunehmender Wettbewerbsdruck und ein Führungswechsel zur Unzeit belasten die Aktie gleichzeitig.
Zwar erholte sich der Kurs zuletzt leicht und notierte vorbörslich an der NASDAQ wieder etwas fester. Doch für eine nachhaltige Trendwende braucht es mehr als technische Gegenbewegungen. Anleger warten nun auf klare Signale, dass PayPal seine strategischen Probleme adressiert und im hochdynamischen Payment-Markt wieder an Relevanz gewinnt.
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