Tesla verliert stark, BYD wächst rasant – Europas Automarkt im Umbruch
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27.01.2026

Tesla verliert stark, BYD wächst rasant – Europas Automarkt im Umbruch

Der europäische Automarkt hat im Jahr 2025 moderat zugelegt, doch unter der Oberfläche vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel. Während die Gesamtzahl der Neuzulassungen in der Europäischen Union leicht gestiegen ist, verschieben sich Marktanteile deutlich zugunsten von Elektro- und Hybridfahrzeugen. Besonders auffällig ist dabei die gegensätzliche Entwicklung zweier prominenter Hersteller: Tesla verzeichnete einen massiven Absatzeinbruch, während BYD seinen Absatz in der EU mehr als verdreifachen konnte. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Aktienmärkte und die strategische Ausrichtung der gesamten Branche.

EU-Automarkt wächst nur leicht, Strukturwandel beschleunigt sich

Nach Angaben des europäischen Branchenverbands ACEA wurden im Jahr 2025 in der Europäischen Union rund 10,8 Millionen Pkw neu zugelassen. Das entspricht einem Plus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf den ersten Blick wirkt das Wachstum unspektakulär. Entscheidender ist jedoch die Zusammensetzung der Zulassungen.

Rein batterieelektrische Fahrzeuge erreichten einen Marktanteil von 17,4 Prozent, nachdem dieser im Jahr zuvor noch bei 13,6 Prozent gelegen hatte. Parallel dazu stieg auch die Nachfrage nach Hybridfahrzeugen, also Modellen mit einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor. Reine Benzin- und Dieselautos verloren weiter an Bedeutung und kamen zusammen nur noch auf 35,5 Prozent der Neuzulassungen – fast zehn Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor.

Deutschland treibt den Elektroboom in Europa

Ein wesentlicher Impuls für den wachsenden Elektroanteil kam aus Deutschland. Dort stiegen die Neuzulassungen reiner Elektroautos um mehr als 43 Prozent. Nach einer Phase der Zurückhaltung im Vorjahr scheint der Markt wieder an Dynamik zu gewinnen. Gründe dafür sind unter anderem ein breiteres Modellangebot, verbesserte Ladeinfrastruktur und zunehmende Akzeptanz bei gewerblichen Flotten.

Diese Entwicklung stärkt den europäischen Markt insgesamt, erhöht aber zugleich den Wettbewerbsdruck. Hersteller, die nicht ausreichend attraktive Elektro- und Hybridmodelle anbieten, geraten zunehmend ins Hintertreffen.

Tesla verliert Marktanteile und Vertrauen der Käufer

Trotz des allgemeinen Elektrobooms musste Tesla in der EU einen herben Rückschlag hinnehmen. Die Marke kam 2025 nur noch auf 150.504 Neuzulassungen – ein Minus von fast 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit verlor Tesla deutlich an Marktanteilen in einem eigentlich wachsenden Segment.

Analysten führen den Rückgang auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen ist der Wettbewerb intensiver geworden. Europäische und chinesische Hersteller bieten zunehmend günstigere Modelle mit vergleichbarer Reichweite und Ausstattung an. Zum anderen sorgten Preisanpassungen, Modellzyklen und Imagefaktoren für Zurückhaltung bei den Käufern. Auch politische Diskussionen rund um den Konzern und seinen Chef spielten für manche Verbraucher eine Rolle.

An der Börse spiegelte sich diese Entwicklung ebenfalls wider. Die Tesla-Aktie geriet unter Druck, da Investoren Zweifel bekamen, ob das Unternehmen seine dominante Stellung im europäischen E-Auto-Markt zurückerobern kann.

BYD nutzt die Schwäche der Konkurrenz konsequent aus

Ganz anders die Entwicklung bei BYD. Der chinesische Hersteller steigerte seinen Absatz in der EU auf 128.827 Fahrzeuge und konnte ihn damit mehr als verdreifachen. BYD profitiert von einer aggressiven Expansionsstrategie, wettbewerbsfähigen Preisen und einer breiten Modellpalette, die vom Kleinwagen bis zur Limousine reicht.

Besonders stark ist BYD im Bereich der batterieelektrischen Fahrzeuge und Plug-in-Hybride positioniert. Hinzu kommt eine hohe vertikale Integration, da der Konzern viele Schlüsselkomponenten selbst produziert. Das verschafft Kostenvorteile und ermöglicht eine flexible Preispolitik. Für viele Marktbeobachter ist BYD der große Gewinner des europäischen Strukturwandels im Automarkt.

Deutsche Hersteller behaupten sich mit breitem Portfolio

Die deutschen Autobauer konnten ihren kombinierten Absatz aus Verbrennern, Hybriden und Elektroautos insgesamt steigern. Der Volkswagen-Konzern legte um 5,7 Prozent auf knapp drei Millionen Fahrzeuge zu. Besonders stark entwickelte sich die Marke Cupra mit einem Plus von fast 36,2 Prozent. Dagegen musste Porsche einen Absatzrückgang von gut 17 Prozent verkraften.

Der BMW-Konzern steigerte seinen Absatz um 6,5 Prozent auf 764.349 Fahrzeuge. Auch Mercedes-Benz verzeichnete ein leichtes Plus von 1,5 Prozent auf 568.768 Autos. Beide Hersteller profitieren davon, dass sie Elektro-, Hybrid- und Verbrennermodelle parallel anbieten und damit unterschiedliche Kundengruppen bedienen.

Stellantis schwächelt, Renault legt zu

Weniger erfreulich fiel die Bilanz für den Stellantis-Konzern aus. Mit Marken wie Peugeot, Citroën, Opel, Fiat und Jeep sank der Absatz um 4,7 Prozent auf knapp 1,7 Millionen Fahrzeuge. Interne Umstellungen, Modellwechsel und ein hoher Preisdruck belasteten die Verkaufszahlen.

Positiver entwickelte sich dagegen Renault. Zusammen mit den Marken Dacia und Alpine kam der Konzern auf rund 1,2 Millionen Neuzulassungen, was einem Plus von 5,6 Prozent entspricht. Besonders Dacia profitierte von einer starken Nachfrage nach günstigen Fahrzeugen, auch im elektrifizierten Bereich.

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