Angriff aus dem Weißen Haus: Trump kündigt Klage gegen JPMorgan an und sorgt für neue Unruhe
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20.01.2026

Angriff aus dem Weißen Haus: Trump kündigt Klage gegen JPMorgan an und sorgt für neue Unruhe

Die JPMorgan Chase gerät erneut in den politischen Fokus. US Präsident Donald Trump hat angekündigt, juristisch gegen den größten Bankkonzern der Vereinigten Staaten vorzugehen. In einem Beitrag auf seiner eigenen Plattform Truth Social erklärte Trump, er wolle innerhalb der kommenden zwei Wochen Klage einreichen. Auslöser sei die Kündigung eines Kontos durch JPMorgan, die seiner Darstellung zufolge zu Unrecht erfolgt sei. Konkrete Belege für diese Vorwürfe legte der Präsident bislang nicht vor.

Trump begründet seinen Schritt mit Ereignissen, die bis ins Jahr 2021 zurückreichen. Nach seinen Angaben habe JPMorgan ihm nach den Geschehnissen rund um den 6. Januar „unangemessen und fälschlicherweise“ den Zugang zu einem Bankkonto entzogen. Das Datum verweist auf die Erstürmung des US Kapitols durch Anhänger Trumps, die damals versuchten, die formale Bestätigung des Wahlsiegs von Joe Biden zu verhindern. Die Bilder aus Washington gingen um die Welt und markierten einen historischen Einschnitt in der politischen Geschichte der USA.

Bis heute hält Trump an der Behauptung fest, ihm sei der Wahlsieg durch Betrug genommen worden. Diese Vorwürfe wurden mehrfach widerlegt, finden aber weiterhin Eingang in seine öffentliche Kommunikation. Auch in dem aktuellen Beitrag auf Truth Social wiederholte Trump diese Darstellung. Kurz nach Beginn seiner zweiten Amtszeit hatte er zudem sämtliche Beteiligten an der Kapitol Erstürmung begnadigt, was national wie international auf heftige Kritik stieß.

Die angekündigte Klage richtet sich nun gegen einen der mächtigsten Finanzkonzerne der Welt. JPMorgan Chase verwaltet Billionen Dollar an Vermögenswerten und spielt eine zentrale Rolle im globalen Finanzsystem. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, die Trumps Vorstoß an den Märkten und in der politischen Öffentlichkeit erzeugt. Für Anleger stellt sich die Frage, ob aus der Ankündigung mehr als nur politische Rhetorik wird und welche Folgen ein solcher Rechtsstreit haben könnte.

Bisher hat sich JPMorgan öffentlich nicht detailliert zu den Vorwürfen geäußert. Banken äußern sich traditionell zurückhaltend zu einzelnen Kundenbeziehungen, auch aus rechtlichen Gründen. Grundsätzlich gilt jedoch, dass Finanzinstitute in den USA verpflichtet sind, Risiken zu bewerten und Geschäftsbeziehungen zu beenden, wenn regulatorische, rechtliche oder reputative Bedenken bestehen. Nach den Ereignissen vom 6. Januar 2021 hatten mehrere Banken und Finanzdienstleister ihre Beziehungen zu politisch exponierten Personen überprüft.

Sollte Trump tatsächlich Klage einreichen, dürfte es zunächst um formale Fragen gehen. Entscheidend wäre, ob eine Kontokündigung gegen vertragliche Vereinbarungen oder geltendes Recht verstoßen hat. Banken besitzen in der Regel weitreichende Möglichkeiten, Geschäftsbeziehungen zu beenden, sofern sie dies im Rahmen der Vertragsbedingungen und der regulatorischen Vorgaben tun. Für Trump könnte es daher schwierig werden, einen rechtlich relevanten Schaden nachzuweisen.

Gleichzeitig ist der politische Kontext nicht zu unterschätzen. Trump nutzt den Konflikt, um erneut das Narrativ zu bedienen, dass große Institutionen gegen ihn und seine Anhänger vorgehen. Für seine Anhängerschaft fügt sich die angekündigte Klage in ein bekanntes Muster ein. Kritiker sehen darin hingegen vor allem den Versuch, Druck auf private Unternehmen auszuüben und politische Loyalität einzufordern.

Für JPMorgan kommt die Ankündigung zu einem sensiblen Zeitpunkt. Der Bankensektor steht ohnehin unter genauer Beobachtung, nicht zuletzt wegen geopolitischer Spannungen, regulatorischer Debatten und der Rolle großer Finanzhäuser im politischen Gefüge der USA. Auch wenn ein einzelner Rechtsstreit die wirtschaftliche Stabilität des Konzerns kaum gefährden dürfte, können politische Angriffe kurzfristig für Volatilität sorgen und das öffentliche Bild belasten.

An den Börsen reagierten Anleger zunächst abwartend. Die JPMorgan Aktie gilt als vergleichsweise robust und wird stark von fundamentalen Faktoren wie Zinsentwicklung, Kreditgeschäft und Investmentbanking Erträgen geprägt. Politische Schlagzeilen können jedoch kurzfristig die Stimmung beeinflussen, insbesondere wenn unklar ist, ob konkrete rechtliche Schritte folgen oder ob es bei der Ankündigung bleibt.

Beobachter verweisen darauf, dass Trump in der Vergangenheit mehrfach rechtliche Schritte angekündigt hat, die entweder nie umgesetzt wurden oder in der Öffentlichkeit verpufften. Dennoch ist der Fall nicht völlig zu unterschätzen. Sollte ein Verfahren eröffnet werden, könnte es zu einer öffentlichen Auseinandersetzung zwischen dem Präsidenten und einem der wichtigsten Finanzakteure des Landes kommen. Dies würde zwangsläufig Fragen zur Unabhängigkeit von Unternehmen, zur politischen Einflussnahme und zur Rolle des Rechtsstaats aufwerfen.

Auch international wird der Vorgang aufmerksam verfolgt. Die USA gelten als zentraler Finanzplatz, und JPMorgan ist tief in die globalen Kapitalmärkte eingebunden. Politische Angriffe auf systemrelevante Banken werden daher nicht nur als innenpolitisches Signal verstanden, sondern auch als Faktor, der das Vertrauen in stabile Rahmenbedingungen beeinflussen kann.

Für Trump selbst birgt der Schritt Chancen und Risiken. Einerseits kann er seine Erzählung von persönlicher Benachteiligung weiter zuspitzen und damit seine politische Basis mobilisieren. Andererseits könnte eine juristische Niederlage seine Position schwächen und den Eindruck verstärken, dass die Vorwürfe nicht belastbar sind. Für JPMorgan wiederum dürfte es vor allem darum gehen, den Konflikt möglichst sachlich und rechtlich sauber zu behandeln, um keine zusätzliche Angriffsfläche zu bieten.

Ob es tatsächlich zu einer Klage kommt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Bis dahin bleibt der Konflikt vor allem ein politisches Signal, das die ohnehin angespannte Beziehung zwischen Donald Trump und großen US Institutionen weiter belastet. Für die Märkte heißt das vorerst erhöhte Aufmerksamkeit, aber noch kein akuter Handlungsbedarf. Erst wenn konkrete juristische Schritte folgen, dürfte sich zeigen, ob aus der Ankündigung ein ernstzunehmender Faktor für die JPMorgan Aktie wird oder ob der Vorstoß im politischen Tagesgeschäft verhallt.

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