Zollankündigungen aus Washington bremsen Europas Börsen und beenden die Rekordserie vorerst
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19.01.2026

Zollankündigungen aus Washington bremsen Europas Börsen und beenden die Rekordserie vorerst

Der deutsche Aktienmarkt steht zu Beginn der neuen Woche unter spürbarem Druck. Nach der starken Rally seit Jahresanfang droht dem DAX ein deutlicher Dämpfer. Bereits vor Handelsstart signalisieren die Vorindikationen einen klaren Rücksetzer, der den Leitindex wieder unter die psychologisch wichtige Schwelle von 25.000 Punkten führen könnte. Damit endet vorerst die Phase, in der neue Rekordstände fast schon zur Gewohnheit geworden waren.

Rund eine Stunde vor dem offiziellen XETRA Auftakt deutete der X DAX auf ein Niveau von etwa 24.938 Punkten hin. Das entspräche einem Abschlag von bis zu 1,4 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag. In der vergangenen Woche hatte der DAX zwar insgesamt noch ein kleines Plus verteidigt, doch die Dynamik ließ bereits spürbar nach. Zwischenzeitlich war der Index bis auf 25.507 Punkte geklettert und hatte damit seine Rekordrally aus den ersten Handelstagen des Jahres fortgesetzt. Nun scheint diese Aufwärtsbewegung zunächst gestoppt.

Auch an den übrigen europäischen Börsen ist die Stimmung angespannt. Der Eurozonen Leitindex EuroStoxx 50, der in der Vorwoche ebenfalls neue Höchststände erreicht hatte, wird zum Wochenstart sogar noch schwächer erwartet als der DAX. Marktbeobachter sprechen von einer breit angelegten Risikoaversion, die sich quer durch die europäischen Aktienmärkte zieht.

Auslöser für die abrupte Stimmungswende sind neue handelspolitische Drohungen aus den Vereinigten Staaten. US Präsident Donald Trump hatte am Wochenende im Zusammenhang mit dem Streit um Grönland angekündigt, Strafzölle gegen mehrere europäische Staaten zu verhängen. Ab dem 1. Februar sollen demnach Abgaben in Höhe von zehn Prozent erhoben werden. Ab dem 1. Juni könnten diese sogar auf 25 Prozent steigen, sofern es bis dahin keine Einigung über einen möglichen Kauf Grönlands durch die USA gibt.

Besonders brisant ist dabei, dass gleich mehrere europäische NATO Staaten betroffen wären, darunter auch Deutschland. Für exportorientierte Volkswirtschaften stellt eine solche Maßnahme ein erhebliches Risiko dar. Die Aussicht auf steigende Handelsbarrieren belastet insbesondere Industrie, Automobilsektor und Chemiewerte, die stark vom internationalen Handel abhängig sind. Entsprechend sensibel reagieren die Märkte auf jede neue Eskalationsstufe.

Auf politischer Ebene zeichnet sich bereits eine Gegenreaktion ab. EU Ratspräsident António Costa will angesichts der angekündigten Zölle einen Sondergipfel der Europäischen Union einberufen. Dieser könnte bereits am Donnerstag stattfinden. Ziel dürfte es sein, eine gemeinsame europäische Linie zu finden und mögliche Gegenmaßnahmen zu koordinieren. Allein die Aussicht auf eine solche Eskalation sorgt jedoch für Nervosität an den Finanzmärkten.

Technisch betrachtet bleibt der DAX trotz des drohenden Rückgangs zunächst in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Solange die Marke von 25.000 Punkten nicht nachhaltig und deutlich unterschritten wird, sprechen viele Analysten eher von einer Korrektur als von einem Trendbruch. Dennoch könnte die Volatilität in den kommenden Tagen spürbar zunehmen, insbesondere wenn aus Washington oder Brüssel weitere politische Signale folgen.

Auch international bleibt das Umfeld angespannt. Die US Börsen hatten zuletzt zwar von einer robusten Konjunktur profitiert, reagieren jedoch ebenfalls sensibel auf handelspolitische Unsicherheiten. Sollte sich der Konflikt zwischen den USA und Europa verschärfen, könnten auch dortige Märkte unter Druck geraten. Für globale Investoren erhöht sich damit der Bedarf an Absicherung und Risikostreuung.

Für Anleger in Deutschland stellt sich nun die Frage, ob der aktuelle Rücksetzer lediglich eine Verschnaufpause nach der Rally darstellt oder der Beginn einer größeren Korrektur ist. Vieles wird davon abhängen, wie ernst die angekündigten Zölle tatsächlich gemeint sind und ob in den kommenden Tagen Signale der Entspannung gesendet werden. Kommt es zu konstruktiven Gesprächen, könnte sich die Stimmung rasch wieder aufhellen. Bleiben die Fronten hingegen verhärtet, drohen weitere Abgaben.

Fest steht: Der Höhenflug an den Aktienmärkten ist zumindest vorerst unterbrochen. Die neue Woche startet mit erhöhter Unsicherheit, und politische Schlagzeilen dürften das Marktgeschehen dominieren. Für kurzfristig orientierte Anleger bedeutet das ein schwierigeres Umfeld. Langfristige Investoren hingegen könnten mögliche Rückgänge nutzen, um Positionen in qualitativ starken Unternehmen schrittweise aufzubauen. Klar ist jedoch, dass die Börsen zum Wochenstart deutlich nervöser auftreten als noch vor wenigen Tagen.

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